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Lawinenhunde - Retter auf vier Pfoten

Barrys Nachfolger

Geht am Berg eine Lawine nieder, sucht die Alpine Rettung Schweiz nicht nur mit technischen Geräten nach Verschütteten, sondern setzt auch Hunde ein. Die Vierbeiner mit den feinen Nasen finden sogar Opfer, die unter vier Metern Schnee liegen. Leider kommt jedoch für die Verschütteten oft jede Hilfe zu spät.

 

Lawinenhund

Pudelpointer Inscha wedelt aufgeregt und blickt gespannt auf den Schneehaufen in einigen Metern Entfernung. Die Lawinenhündin zittert – jedoch nicht vor Kälte, sondern vor Begeisterung. Marcel Meier kniet sich neben sie und zeigt mit der Hand in die Richtung, wo er kurz vorher einen Rucksack im Schnee vergraben hat, den Inscha nun in einer möglichst realitätsnahen Übung suchen soll. «Wo ist der Rucksack?», flüstert Meier Inscha zu. Mit dem Befehl «such» lässt er sie frei. Zielstrebig rennt Inscha auf den Schneehaufen zu, schnuppert kurz und beginnt sofort mit ihren Vorderläufen zu scharren. Schneeklumpen fliegen durch die Luft, während die Hündin mit vollem Körpereinsatz buddelt. Meier eilt ihr mit einer Schaufel zu Hilfe und innert Sekunden kommt der unter einem Meter Schnee vergrabene Rucksack zum Vorschein. Es muss schnell gehen, denn Zeit nehmen können sich im Ernstfall weder Hundeführer noch Hund. Wird ein Mensch von einer Schneelawine erfasst und darunter begraben, kommt es auf jede Minute an. «Ich konnte leider noch nie ein Opfer lebend bergen», sagt Meier, der seit rund 20 Jahren mit seinen Hunden bei Lawinenunfällen nach Verschütteten sucht. Der technische Leiter des Ressorts Hunde der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) weiss, wie gering die Chancen sind, unter den zentnerschweren Schneemassen zu überleben. Die Wucht des Schnees ist gewaltig, und werden die Menschen nicht durch dessen Gewicht erdrückt, sind es oft Bäume oder Gesteinsbrocken, gegen welche die Opfer geschleudert werden, was rasch zum Tod führt. Trotz allem machen Einsätze Sinn: «Für die Familienangehörigen ist es sehr wichtig, dass wir die Opfer bergen, so dass sie sich verabschieden können», sagt Meier.

Höchste Konzentration
Die 140 Hundeführerinnen und -führer der ARS arbeiten alle nebenberuflich und stehen im Winter auf Abruf bereit. Marcel Meier, der in Einsiedeln (SZ) wohnt und als Baumeister arbeitet, ist im Ernstfall innerhalb von zehn Minuten einsatzbereit. Der Rega-Helikopter landet direkt vor seinem Haus, innert kurzer Zeit ist das Team im Einsatzgebiet. Die Rettung verläuft nach klaren Regeln: «Man verschafft sich mit dem Helikopter eine erste Übersicht und sucht nach Signalen von Lawinen-Verschüttungs-Suchgeräten», erklärt Meier. Bevor die Suche nach Verschütteten beginnen kann, muss die eigene Sicherheit abgeschätzt werden. Die Suche ist für die Retter nicht ungefährlich, denn «ein Restrisiko bleibt immer», sagt Meier.

Neben der Suche mit Sondierstangen und technischen Hilfsmitteln wie Lawinen-Verschüttungs-Suchgeräten und Recco sind Hunde ihrer feinen Nase wegen noch immer die zuverlässigsten Helfer. Sie können Verschüttete, die oft bis zu vier Meter unter dem Schnee liegen, je nach Schneekonsistenz zuverlässig anzeigen. «Die Hunde suchen das Lawinenfeld systematisch ab. Sie nehmen dabei den Individualgeruch der Person auf, weshalb sie auch die Lage von Kleidungsstücken oder Rucksäcken anzeigen.» Bei der Suche muss der Hundeführer darauf achten, dass das Tier gegen den Wind arbeitet, damit es die Witterung besser aufnehmen kann. Das Aufspüren verlangt dem Hund höchste Konzentration ab. Er darf sich weder von landenden Helikoptern, dem Treiben der Rettungsmannschaft noch von anderen Lawinenhunden stören lassen. «Auch wir Hundeführer müssen Ruhe bewahren, denn sonst übertragen wir unsere Nervosität auf das Tier», erklärt Meier.

Fotostrecke

  • Lawinenhund Inscha. Marcel Meier bereitet Inscha auf die Suche nach dem Rucksack vor.
  • Lawinenhund. In Rekordzeit hat die Hündin die Fährte aufgenommen und beginnt zu scharren.
  • Lawinenhund. Nach getaner Arbeit erfolgt auch sogleich die verdiente Belohnung.

Intensives Training
Zwar spüren die Hunde durchaus, wenn es ernst gilt, doch für die Vierbeiner bleibt die Suche nach Verschütteten ein Spass. «Der Suchtrieb des Hundes wird gezielt gefördert», erklärt Meier. Die Ausbildung erfolgt ohne Druck und wird spielerisch aufgebaut. «Wir gestalten das wöchentliche Training individuell, so dass der Hund ein sicheres Verhalten aufbauen kann», sagt Meier.

Die Ausbildung ist intensiv und orientiert sich an einem Vier-Phasen-System. In der ersten Phase versteckt sich der Besitzer in einer offenen Schneehöhle, worauf ihn der Hund suchen muss. «Hunde lieben solche Suchspiele und finden sie ihren Halter, werden sie jeweils ausgiebig gelobt und mit einem Cervelat belohnt», erklärt Meier. Beherrscht der Hund die Suche nach dem Besitzer, wird die Schwierigkeit gesteigert. Der Halter lässt sich nun ganz in den Schnee eingraben, so dass der Hund nicht mehr auf Sicht suchen kann, sondern sich auf seine Nase verlassen muss. Als Belohnung winkt weiterhin Futter, weshalb der Hund zu scharren beginnt, um an seinen Halter und somit an den wohlverdienten Cervelat zu gelangen. In der nächsten Stufe versteckt sich eine fremde Person gemeinsam mit dem Hundeführer, so dass der Vierbeiner lernt, auch ihm nicht bekannte Individualgerüche zu erschnüffeln. «In der letzten Phase wird der Hund vom Besitzer schliesslich angeleitet, eine unbekannte Person im Schnee zu suchen», erklärt Meier.

Keine Aggressivität
Erst während des Trainings wird ersichtlich, ob sich das Tier als Lawinenhund eignet. Denn es gibt auch Hunde, die sich nicht von ihrem Halter lösen können oder bei denen das Eindringverhalten, also das Scharren, nicht effizient genug ist. Doch komme es auch vor, dass der Hund schnell begreife, worum es geht, während der Hundehalter der Aufgabe nicht gewachsen sei, sagt Meier. «Die Ausbildung ist für die Hundeführer sehr anspruchsvoll, die Anforderungen sind hoch.» Wer als Lawinenretter arbeiten wolle, müsse viel Zeit investieren und auf vieles verzichten. «Meine Familie unterstützt mich enorm, sonst könnte ich diese Aufgabe nicht wahrnehmen», sagt der zweifache Familienvater.

Doch auch die Hunde müssen klare Anforderungen erfüllen: Sie brauchen eine gewisse Grösse, müssen eine gute Selbstsicherheit aufweisen und robust und wetterfest sein. «Ein wesentlicher Punkt ist darüber hinaus, dass sie sich weder gegen Menschen noch Artgenossen aggressiv verhalten», so Meier. Gut eignen sich ihrer feinen Nase wegen Schäferhunde, Labradore und Border Collies, aber auch Jagdhunderassen sind im Einsatz. «Ich staune immer wieder, wie extrem schnell Inscha ist», sagt Meier. Der Pudelpointer, ein reinrassiger, deutscher Jagdhund ist agil, arbeitsfreudig und hat eine sehr feine Nase. Meier führte früher Deutsche Schäferhunde und musste bei der Ausbildung von Inscha völlig umdenken. «Sie ist sehr sensibel, gleichzeitig aber auch extrem eigenwillig», erzählt er schmunzelnd. «Wenn ihr etwas nicht passte, ging am Anfang gar nichts.» Inscha sei für ihn eine Herausforderung gewesen, doch in der Zwischenzeit seien sie ein eingespieltes Team: «Heute ist auf Inscha Verlass, wenn es darauf ankommt.»

Die Hundestaffel der Alpinen Rettung Schweiz

Alpine Rettung Schweiz
Rega-Center
Postfach 1414
8058 Zürich-Flughafen
044 654 38 38
info[at]alpinerettung.ch
www.alpinerettung.ch

Quelle: Welt der Tiere

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