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Tiermedizinische Praxisassistentin

Ein Händchen für Vierbeiner und Menschen

Vom kranken Meerschweinchen bis zur verschnupften Katze: In einer Tierarztpraxis benötigen vierbeinige Patienten jeder Art und Grösse fachkundige Hilfe. Der Beruf der Tiermedizinischen Praxisassistentin ist deshalb so vielfältig wie die Tierwelt selbst.

 

Die Türglocke schellt an diesem Morgen in der Basler Kleintierpraxis Gundeli in regelmässigen Abständen. Das Wartezimmer füllt sich langsam mit Tierhalterinnen und -haltern und ihren Schützlingen. Eine Katze miaut kläglich in ihrer Transportbox, während sich ein schwarzer Labrador scheinbar tierisch freut, als er endlich an der Reihe ist und ins Behandlungszimmer darf. Die Tiermedizinische Praxisassistentin Daniela Buonopane sitzt hinter der Empfangstheke, beantwortet Fragen, trägt Patientendaten in den Computer ein und nimmt sich daneben noch Zeit, die vierbeinigen Neuankömmlinge zu begrüssen. Ihr Tag hat bereits um acht Uhr begonnen: Bevor die Patienten eintreffen, müssen erst die Tiere, die nach einer Operation oder für eine spezielle Therapie stationär in der Praxis untergebracht sind, kontrolliert und gefüttert werden. Darauf treffen sich die drei Tierärztinnen, der Tierarzt und die vier Tiermedizinischen Praxis­assistentinnen (TPA) der Kleintierpraxis Gundeli zur Teamsitzung. «Wir besprechen das Tagesgeschäft und wir TPAs werden für den Tag einer Tierärztin zugeteilt», erzählt Buonopane.

TPAs arbeiten eng mit Tierärzten zusammen – sie helfen diesen in der Sprechstunde und sorgen für Ordnung und Sauberkeit in der Praxis. Bei Operationen unterstützen sie den Tierarzt, halten die Tiere still und überwachen Narkose und Infusionen. Aufgaben wie das Desinfizieren einer Wunde oder das Anlegen von Verbänden führen sie selbstständig durch.

Kratzen und beissen
Für den nächsten Patienten bereitet Buonopane den Behandlungsraum vor, säubert den Untersuchungstisch und legt die gereinigten und entkeimten Instrumente bereit. Mops Sugus soll geimpft werden und Buonopane zieht geschickt die Spritze mit dem Impfstoff auf und legt sie bereit. Der Hund wird vor der Impfung gewogen und untersucht: Während Tierärztin Stephanie Huber den Bauch des Tiers abtastet sowie Herz und Lunge mit dem Stethoskop abhört, hält Buonopane den Hund. Sie streichelt ihn und redet beruhigend auf ihn ein. Sugus ist ein vorbildlicher Patient und hält still: «Einige Tiere haben panische Angst und versuchen deshalb zu schnappen oder zu kratzen», erzählt Buonopane. In solchen Situationen muss jeder Handgriff sitzen, um nicht blutige Wunden davonzutragen. «Für den Tierarzt ist es wichtig, dass das Tier richtig fixiert wird, so dass er es in Ruhe untersuchen kann.» Berührungsängste dürfe man als TPA deshalb nicht haben, meint die 28-Jährige. Zum Teil sind die Behandlungen nichts für empfindliche Gemüter: Bei Sugus etwa müssen nach der Impfung die Analdrüsen entleert werden – eine ziemlich übelriechende und ekelerregende Angelegenheit. Um bei Operationen assistieren zu können, sollte auch der Anblick von Blut nicht gerade eine Ohnmacht auslösen: «Obwohl mir bei Operationen an Menschen vor dem Fernseher regelmässig schlecht wird, macht mir der Anblick von Blut bei Tieren glücklicherweise nichts aus», erzählt Buonopane.

Cool bleiben in hektischen Situationen
Die Baslerin absolviert nächstes Jahr die Lehrabschlussprüfung und ist begeistert von ihrem Beruf, obwohl sie ursprünglich eigentlich Coiffeuse lernen wollte. «Ich habe nie daran gedacht, eine Ausbildung zur TPA zu machen», erinnert sie sich. Während einer Schnupperwoche in der Kleintierpraxis Gundeli entdeckte sie ihre Affinität für Tiere und hält heute selbst einen Hund. «Ich schätze es, mit Tieren zu arbeiten und freue mich, wenn ich ihnen helfen kann.» Es sei jeweils schön zu beobachten, wenn ein krankes Tier in die Behandlung komme und sich der Zustand bessere.

Als TPA gilt es jedoch nicht nur, ein Händchen für Vierbeiner zu haben – auch mit Menschen muss man gut umgehen können. Vor allem bei Notfällen, etwa wenn ein vierbeiniger Schützling schwer erkrankt oder nach einem Unfall verletzt ist, müssen Halterinnen und Halter beruhigt und aufgeklärt werden. In hektischen Situationen Ruhe zu bewahren, den Besitzern die Angst zu nehmen und beim Tier fachgerecht erste Hilfe zu leisten, fordert eine rasche Handlungsweise. «Das ist auch Übungssache und je öfter man solchen Stresssituationen ausgesetzt ist, umso vertrauter ist der Ablauf», sagt Buonopane.

Stressiger Praxisalltag
Das gilt auch bei Euthanasien: Während Buonopane das Einschläfern von tierischen Patienten anfangs noch sehr nahe ging, versucht sie heute, sich innerlich zu distanzieren. «Es trifft mich zwar noch immer, wenn ein Tier euthanasiert werden muss, aber nicht mehr in diesem Ausmass.» Vor allem bei älteren Menschen, wo der Vierbeiner nicht selten der einzige Gefährte ist, bleibt das Einschläfern des Tiers eine schwere Aufgabe. Buonopane ist in diesen Situationen für die Besitzer da, tröstet und klärt mit ihnen die Frage, was mit dem Kadaver geschehen soll. «Heute besteht die Möglichkeit, das Tier kremieren zu lassen oder es auf einem Tierfriedhof zu bestatten, statt es in die Kadaversammelstelle zu geben», erzählt sie.

Neben der Arbeit am Patienten verbringen TPAs viel Zeit mit Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Nach jeder Sprechstunde werden der Behandlungstisch desinfiziert, Verbandsmaterial und Medikamente bereitgelegt sowie Instrumente gereinigt. Verantwortlich sind TPAs ausserdem für die Praxisadministration: Sie führen die Patientendossiers und die Korrespondenz, bestellen Medikamente und Materialien und schreiben Versicherungsberichte sowie Rechnungen. «Der Beruf ist sehr vielfältig und interessant», sagt Buonopane. Entsprechend sollte man auch flexibel und belastbar sein, denn nicht selten müsse man sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. «Zudem sind die Arbeitszeiten unregelmässig und man muss auch mit Überstunden rechnen.» Um dem abwechslungsreichen und manchmal stressigen Praxisalltag gewachsen zu sein, macht man es am besten den Tieren gleich, wie Buonopane meint: «Man muss sich ein dickes Fell zulegen.

Ein grosses Herz für Tiere

Tiermedizinische Praxisassistentinnen arbeiten in Kleintierpraxen oder Tier­spitälern. Auf dem Land sind sie auch in Gemischt- oder Grosstierpraxen für Nutzvieh wie Rinder, Schweine oder Pferde tätig. Sie empfangen Tierhaltende, betreuen die vierbeinigen Patienten, helfen mit bei Sprechstunden und Operationen und machen Labortests. Die Berufslehre dauert drei Jahre, die schulische Bildung wird an einem Tag pro Woche an der Berufsfachschule in Bern, Luzern oder Zürich absolviert. Zu den berufsbezogenen Fächern zählen unter anderem der korrekte Umgang mit Tieren, Betriebsorganisation, Hygiene und Umweltschutz sowie naturwissenschaftliche Grundlagen. In der Praxis muss exakt und sauber gearbeitet werden. Es gilt zudem, in hektischen Situationen Ruhe zu bewahren, konzentriert zu arbeiten sowie mit den Tieren und deren Haltern sicher und verständnisvoll umzugehen. Zu den Anforderungen zählen deshalb Geschick und Feingefühl mit Tieren und Menschen, eine gute Beobachtungs- und rasche Auffassungsgabe, Organisationstalent sowie physische und psychische Belastbarkeit.

Weitere Informationen:
Gesellschaft Schweizer
Tierärztinnen und Tierärzte
Brunnmattstrasse 13
3174 Thörishaus
T: 031 307 35 35
info@gstsvs.ch, www.gstsvs.ch

© Bilder: Helen Weiss

 

Quelle: Welt der Tiere

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