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Hunde mit Spürsinn

Trümmersuchhund – feine Nase rettet Leben

Golden Retriever Cyrano ist mit seiner Halterin Tanja Pommeranz Mitglied des Schweizerischen Vereins für Such- und Rettungshunde REDOG. Wie fein seine Nase ist, hat der Rüde letztes Jahr bewiesen: Er gewann an der Weltmeisterschaft der Rettungshunde die Goldmedaille.

Stehen rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr im Einsatz: die REDOG-Spezialistenteams für Trümmer- und Geländesuche. Foto: REDOG

Cyrano bellt und läuft aufgeregt im Kreis um seine Besitzerin Tanja Pommeranz. Diesezieht einen Ball aus ihrer Tasche und lockt den Hund mit einem «Komm, Bubi» endgültig aus der Reserve. «Er ist schon im Arbeitsmodus», meint Pommeranz lachend, als Cyrano hochspringt und nach dem Ball schnappt. Wenn man den beiden zusieht, würde man nicht meinen, dass es sich um ein Weltmeister-Team handelt. Denn Tanja Pommeranz und ihr siebenjähriger Golden-Retriever-Rüde Cyrano haben letztes Jahr an der Weltmeisterschaft der Rettungshunde in der Sparte Trümmersuche die Goldmedaille geholt.

Das Team nahm zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil, obwohl Pommeranz schon seit 17 Jahren im Schweizerischen Verein für Such- und Rettungshunde REDOG (siehe Box) in der Regionalgruppe Solothurn aktiv ist. «Als ich meinen ersten Hund anschaffte, war für mich von Beginn an klar, dass ich etwas Sinnvolles mit ihm arbeiten wollte und entschied mich für die Trümmersuche», erzählt die 42-Jährige. Mit dem Vorgänger von Cyrano – dem Golden Retriever Nugget – trat sie REDOG bei und erreichte die Einsatzfähigkeit. «Mit ihm war ich 2003 nach einem Erdbeben in Algerien im Ernsteinsatz», erzählt Pommeranz. Der Einsatz sei sehr eindrücklich gewesen und sie war froh, helfen zu können. «In einer solchen Situation sieht man, dass sich all die Arbeit und der Trainingsaufwand gelohnt haben.»

Üben, üben, üben
Für Pommeranz ist die Hilfe in Katastrophengebieten der eigentliche Antrieb für ihre Arbeit bei REDOG. Der Gedanke, an der Weltmeisterschaft der Internationalen Rettungshunde Organisation IRO teilzunehmen – sich also auch einmal im sportlichen Wettkampf zu messen –, kam erst später. «Ich war stolz, dass ich für die Schweiz antreten durfte», sagt sie. Das Duo, das für den Hundesport Frutigland (BE) startete, hatte einen Glückstag: Gerade mal sechs Minuten benötigte Cyrano, um die drei Figuranten im Trümmerfeld zu orten und anzuzeigen; 30 Minuten hätte er zur Verfügung gehabt. Am Ende holte Cyrano 284 von 300 möglichen Punkten. «Ich bin unglaublich stolz auf seine Leistung», freut sich Pommeranz.

Cyrano ist der Titel herzlich egal. Auch seine Besitzerin bleibt bescheiden: «Wir zwei standen zwar bei der Siegerehrung auf dem Podest, aber hinter dem Erfolg stehen viele Menschen, die mir behilflich waren.» Nicht zu vergessen ist dabei, dass für eine solche Leistung zahlreiche Trainingsstunden notwendig sind. Mit der REDOG-RegionalgruppeSolothurn trainieren die beiden wöchentlich in alten Steinbrüchen, Zivilschutzzentren und Abbruchhäusern, an denen es jedoch meist fehlt, wie Pommeranz anmerkt. «Leider herrscht zurzeit Mangel an geeigneten Trainingsgeländen, weshalb wir um jeden Hinweis froh sind.»

Wackliger Untergrund? Kein Problem!
Um bei REDOG einsatzfähig zu bleiben, muss Cyrano einiges können, denn die Suche verlangt dem Hund höchste Konzentration ab. Er darf sich weder vom Treiben der Rettungsmannschaft noch von anderen Trümmersuchhunden stören lassen. Zwar spüren die Hunde durchaus, wenn es ernst gilt, doch für die Vierbeiner bleibt die Suche nach Verschütteten ein Spass. «Bei der Ausbildung wird der Suchtrieb des Hundes gezielt gefördert», erklärt Pommeranz. Das Training erfolgt ohne Druck und wird spielerisch aufgebaut. «Wir gestalten das wöchentliche Training individuell und abwechslungsreich, so dass der Hund ein sicheres Verhalten aufbauen kann.»

Die Ausbildung ist intensiv und orientiert sich anfangs am Begehen von ungewohntem Material und Überwinden von Hindernissen. Bereits als Welpe lernte Cyrano sowohl unterschiedlich beschaffene als auch wacklige Untergründe kennen und begehen, ohne in Panik zu geraten. Zudem wurde ihm mit Hilfe einer Kiste, deren Schieber sich aus der Entfernung durch ein Seil öffnen lässt, beigebracht, Futter oder Spielzeug anzuzeigen. «Anfangs steht die Kiste offen und das Futter ist frei zugänglich. Der Schieber wird bei jedem weiteren Schritt etwas mehr geschlossen, bis der Hund mit Bellen oder Kratzen anzeigen muss, was er gerne möchte», erklärt Pommeranz.
 
Anspruchsvoller Einsatztest
Später muss der angehende Trümmersuchhund dasselbe Verhalten in anderen Situationen aufzeigen – etwa wenn der Hundeführer Spielzeug oder Futter am Körper verborgen hält. Erst wenn das Anzeigen sitzt, wird die zweite Phase des Trainings aufgebaut. Diese besteht darin, dass sich der Besitzer in einer offenen Betonröhre versteckt, worauf ihn der Hund suchen muss. Beherrscht der Hund die Suche nach dem Besitzer, wird die Schwierigkeit gesteigert, indem sich ein Figurant versteckt. «Anfangs kann der Hund zusehen, wie der Figurant sich ins Trümmerfeld begibt», erklärt Pommeranz den Aufbau. Eine weitere Schwierigkeitsstufe besteht darin, dass der Vierbeiner nicht weiss, wo sich der Figurant aufhält, so dass der Hund nicht mehr auf Sicht suchen kann, sondern sich auf seine Nase verlassen muss. Als Belohnung winken Futter oder Spielzeug und die überschwängliche Freude des Figuranten. «Gute Figuranten, die den Hund angemessen und zum richtigen Zeitpunkt bestätigen, sind das A und O im Training», weiss Pommeranz. Denn nur sie können dem Hund vermitteln, dass es nichts Schöneres gibt, als den Menschen im Trümmerfeld zu finden.

Vertrauen in Menschen
Die Hunde müssen klare Anforderungen erfüllen: Sie brauchen eine gewisse Grösse, müssen eine gute Selbstsicherheit aufweisen sowie robust und arbeitsfreudig sein. «Ein wesentlicher Punkt ist darüber hinaus, dass sie Menschen gegenüber volles Vertrauen haben müssen und sich problemlos tragen lassen», so Pommeranz. Nicht selten muss der Vierbeiner in den Trümmern auf den Armen ein kurzes Stück transportiert oder einem Helfer übergeben werden. Gut eignen sich deshalb Hunde mittlerer Grösse.

Oftmals wird erst während des Trainings ersichtlich, ob sich das Tier als Trümmersuchhund eignet. Denn es gibt auch Hunde, die sich nicht von ihrem Halter lösen können oder bei denen sich Unsicherheiten im Verhalten bemerkbar machen. Doch komme es auch vor, dass der Hund schnell begreife, worum es geht, während der Hundehalter der Aufgabe nicht gewachsen sei, sagt Pommeranz. Wer bei REDOG im Einsatz steht, muss viel Zeit investieren und regelmässig trainieren, denn der Einsatztest wird alle drei Jahre wiederholt. Pommeranz arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Spedition, fürs Training bleibt nur abends und am Wochenende Zeit. Wichtig sei, dass das Training individuell auf den Hund abgestimmt ist, gibt sie einen Tipp. «Die Länge und auch der Aufbau der Übungen müssen so gestaltet sein, dass der Hund motiviert ist.» Und: Wenn man selbst schlechte Laune habe, lasse man das Training lieber bleiben. «Sonst wird man nur unnötig böse auf den Hund.»

Wettlauf mit dem Tod

Wenn ein Erdbeben ganze Städte zerstört oder eine Explosion ein Haus zum Einstürzen bringt, kann das Überleben der unter den Trümmern verschütteten Menschen davon abhängen, ob Katastrophenhunde eingesetzt werden. Die Hundenase ist auch heute noch das zuverlässigste Ortungsmittel, um menschliche Witterung unter Trümmern und meterdickem Schutt zu lokalisieren. Der Schweizerische Verein für Such- und Rettungshunde REDOG bildet neben Katastrophenhundeteams auch so genannte Geländesuchhundeteams aus. REDOG ist eine gemeinnützige, humanitäre Freiwilligenorganisation. Der Verein stellt dem Bund und den Kantonen rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr geprüfte Spezialistenteams für die Trümmer- und Geländesuche für Einsätze im In- und Ausland zur Verfügung. Die einsatzfähigen Teams können jederzeit über die Notrufnummer der REGA 1414 angefordert werden.

Schweizerischer Verein für
Such- und Rettungshunde REDOG
Martin-Disteli-Strasse 27
4601 Olten
Tel.: 079 401 12 42
office[at]redog.ch, www.redog.ch

Quelle: Welt der Tiere

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