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Das Takhi – zurück in der Heimat

Pferde sind der ganze Stolz der Mongolen. Diese Begeisterung konnte jedoch nicht verhindern, dass Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts das Przewalskipferd in freier Wildbahn in der Mongolei ausstarb. Nur wenige Tiere haben in europäischen Zoos überlebt. Deren Nachkommen wurden nach 1992 in aufwändigen Transporten in die Mongolei gebracht und bilden nun den Grundstein der zwar noch fragilen, aber immer robuster werdenden Population in der Great Gobi B.

© Bild: Zoo Prag

Mehrere Tagesreisen hatten die Familien hinter sich, welche 1992 «ihre Takhis» persönlich in Takhintal, im Südwesten der Mongolei, auf heimischem Boden willkommen hiessen. Takhi bedeutet in der mongolischen Sprache «heilig». Der Symbolcharakter der Tiere hatte in den Jahren der Abwesenheit nicht gelitten!

Konkurrenz um Lebensraum
Wie konnte es kommen, dass dieses so bewunderte Tier in freier Wildbahn ausstarb? Bis Anfang der 1940er Jahre waren die Takhis noch zahlreich gewesen. In den folgenden Jahren zwangen politische Gründe die im Gebiet lebenden Menschen zur Wilderei, um ihren Fleischbedarf decken und überleben zu können. Dies führte zu einem massiven Einbruch des Takhi-Bestandes in ihrem letzten Rückzugsgebiet in der südwestlichen Mongolei.

In der kargen, halbwüstenartigen Landschaft, begrenzt durch Gebirge im Norden und Süden, herrschen kurze Sommer und lange, kalte Winter mit bis zu minus 40°C vor. Schwer einschätzbare Wetterphänomene setzen Mensch und Tier zusätzlich zu. Immer wieder werden Wasser- und Futterressourcen knapp und selbst zwischen den wenigen verbliebenen Wildpferden und der traditionell halbnomadisch lebenden Bevölkerung mit ihren zehntausenden Nutztieren gab es dadurch weitere Konflikte. 1968 wurde das letzte frei lebende Takhi gesichtet.

Eine schwierige Ausgangslage…
Zu Beginn des 20. Jh. hatten Tierfänger Takhi-Fohlen nach Europa gebracht und an Zoos und Tierparks verkauft, wo sie teilweise gezüchtet wurden. Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs gab es jedoch nur noch wenige fortpflanzungsfähige Tiere. Es waren lediglich 13 Gründertiere, welche sich langfristig erfolgreich fortpflanzten: eine schier unmögliche Aufgabe, daraus wieder eine in freier Wildbahn überlebensfähige Population aufzubauen. Und doch sind die Takhis auf bestem Weg, sich langsam, aber stetig in der Mongolei wieder zu etablieren.

…durch viel Engagement von Erfolg gekrönt
Zwei Ereignisse haben den Grundstein zu dieser erfreulichen Entwicklung gelegt. 1958 wurde ein Zuchtbuch für Przewalskipferde errichtet. Empfehlungen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP), welche auf diesem Dokument basierten, halfen die ­schmale genetische Basis zu erhalten. Man paarte gezielt Tiere, welche eine möglichst geringe Inzucht versprachen. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Initiative von Christian Oswald, der als Kaufmann in der Mongolei gute Geschäfte machte und dem Land etwas zurückgeben wollte. Er baute das Wiederansiedlungsprojekt auf, organisierte die Zusammenarbeit und errichtete Angewöh­nungsgehege. Diese befinden sich wie das  heutige Nationalparkhaus in Takhintal im Schutzgebiet der Great Gobi B nahe dem Ort, wo 1968 das letzte Takhi gesichtet worden war. 1992 konnten zeitgleich mit einem weiteren Projekt die ersten Przewalskipferde aus Europa in die Gobi B gebracht und einige Jahre später definitiv in die Freiheit entlassen werden. Ihnen sind bis heute unter der Leitung der International Takhi Group (ITG) insgesamt 90 weitere Takhis gefolgt. Sie bilden zusammen mit den seit 1994 in der Mongolei geborenen Tieren die heutige Population.

Für die IUCN, die International Union for Conservation of Nature, liest sich diese Erfolgsstory so: 1996 «in freier Wildbahn ausgestorben», 2008 umgestuft auf «vom Aussterben bedroht» und 2011 bereits nur noch «stark gefährdet». Was immer noch negativ tönt, ist eine unglaubliche Geschichte einer beinahe ausgestorbenen Art, welche in ihrer alten Heimat der Mongolei wieder Fuss zu fassen scheint.

Natürliche Selektion
Nach ermutigenden Entwicklungen in der wiederangesiedelten Population hat eine natürliche Selektion in Form von überaus harten Wintern 2000/01 und 2009/10 heftig gewirkt und zu massiven Bestandeseinbrüchen geführt. Das im Südwesten der Mongolei bekannte Wetterphänomen Dzud, bei welchem auf einen trockenen Sommer ein kalter Winter mit Temperaturen bis zu minus 40ºC und hohen, kompakten Schneedecken folgt, liess jeweils die Population empfindlich zusammenschrumpfen: 2010 überlebten dabei nur gerade 49 der insgesamt 137 Takhis in der Gobi B.
Trotz dieser beiden grossen Rückschläge: Eine Art kann in Menschenobhut nur für eine bestimmte Zeit bestehen. Langfristig ist ein Überleben jedoch nur unter natürlichen Lebensbedingungen möglich. Nur sie selektionieren diejenigen Voraussetzungen, welche für das Überstehen solcher Härteperioden wichtig sind.

International Takhi Group als Brückenbauer
Die International Takhi Group (ITG) mit Sitz beim Wildnispark Zürich in Sihl­wald begleitet die Wiederansiedlung der Przewalskipferde in der Great Gobi B. War in den Anfangsjahren der Fokus auf den Pferden allein, lautet heute der Vereinszweck «…die Wiederansiedlung und Erhaltung des Przewalskipferdes in Zentralasien im Sinne der Richtlinien der IUCN sowie der integrale Schutz der Greater Gobi B SPA als Kulturlandschaft und ihre Entwicklung in Richtung Biosphärenreservat im Sinne der IUCN…». Längst hat der hohe Symbolcharakter das Takhi zum Flaggschiff für die Entwicklung der gesamten Region gemacht. Die Auswirkungen lassen sich in ökologischen, politischen und ökonomischen Entwicklungen ablesen.

Die ITG unter Leitung des Aargauer Alt-Ständerats Thomas Pfisterer ist der einzige Partner der mongolischen Regierung in diesem Projekt. Die Zusammenarbeit basiert auf einem 10-Jahres-Vertrag. Die ITG hat bei der Ausarbeitung des Managementplans mitgearbeitet und ist nun auch an dessen Umsetzung in der Gobi B beteiligt. Fernziel ist es, das Projekt einst vollständig in mongolische Hände zu geben.

Die Mongolei ist eine der wenigen Demokratien im asiatischen Raum. Die
Aimags (Kantone), Sums (Bezirke) und Baghs (Dörfer) sollen in Zukunft vermehrt die Naturschutzpolitik der Zentralregierung umsetzen und mit dem Takhi als Flaggschiff ihre Interessen zur Pflege des Nationalparks verfolgen. Die ITG unterstützt und koordiniert diese Bemühungen zusammen mit Partnerorganisationen. Daran beteiligt ist auch die DEZA, die schweizerische Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit.

Vision eines grenzübergreifenden Schutzgebietes
Aus der Wiederansiedlung zur Rettung der einzigen verbliebenen Wildpferdeart ist heute ein erfolgreiches Naturschutzprojekt mit einer ehrgeizigen
Vision geworden. Wandernde Arten wie Przewalskipferd, Asiatischer Wildesel und Kropfgazelle brauchen grosse Gebiete, um langfristig zu überleben. Auf einer riesigen Fläche können lokale Wetterphänomene zwar empfindliche Einbussen zur Folge haben, aber die Population als Ganzes nicht mehr gefährden. Oyunsaikhan Ganbaatar, Zoologe und Direktor des «Great-Gobi-B-Schutz­gebietes», hat seine eigene Version dieser Vision: «…irgendwann sollen auf einem riesigen Schutzgebiet Tausende von Takhis umherstreifen – so viele, dass auch ich nicht mehr jedes Einzelne individuell kenne.»

Freunde des Wildpferdes

Das Ziel der Freunde des Wildpferdes ist es, die ITG bei der Wiederansiedlung der Przewalskipferde in der Mongolei zu unterstützen. Eine langfristige finanzielle Sicherung des Projektes ist wichtig für Logistik- und Materialkosten sowie die tierärztliche und wissenschaftliche Betreuung der Takhis in der Mongolei.Die Mittel aus Spenden und Legaten werden ausschliesslich vor Ort eingesetzt. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund CHF 150’000.–. Die Kosten für die Auswilderung eines Takhis betragen ungefähr CHF 7000.–.

Helfen Sie mit!
Ihre Spende hilft mit, dass die Urahnen unserer Hauspferde nicht aussterben.
Sie ermöglichen
> einen Rangertag (Lohn und Material)    CHF    20.–
> die Heufütterung für ein Tier im Winter    CHF    100.–
> einen Monat Fahrzeugkosten für die Überwachung    CHF    250.–

Oder werden Sie Mitglied der Freunde des Wildpferdes
Fohlenmitglied (Jugendliche)    CHF    20.–/Jahr
Wildpferdemitglied    CHF    50.–/Jahr
Wildpferderetter    CHF    3000.–/Jahr

Spendenkonto
Aarg. Kantonalbank, 5001 Aarau, IBAN CH07 0076 1016 0117 6052 3
www.savethewildhorse.ch

Quelle: Welt der Tiere

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