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Der Feldhase soll nicht verschwinden

Der Feldhase ist selten geworden. Deshalb versucht neuerdings der Verein HOPP HASE, dem einst häufigen Bewohner des Ackerlandes wieder auf die Sprünge zu helfen. Zusammen mit interessierten Landwirten wird das Ackerland so umgestaltet, dass die Junghasen eine bessere Überlebenschance haben. Das heisst: Brachen kurz und breit statt lang und schmal, als Inseln zwischen den Feldern statt als Streifen längs der Wege und alle zwei Jahre bearbeitet statt sechs Jahre unberührt gelassen. Ausserdem wird der Winterweizen auf einigen Feldern weniger dicht als üblich eingesät. Die ersten Erfahrungen mit diesen Massnahmen sind ermutigend, aber es ist noch zu früh für eine abschliessende Bewertung.

In Baselland ging es den Feldhasen in den 1940er Jahren am besten. Als während der «Anbauschlacht» alles nutzbare Land für den Anbau von Getreide, Kartoffeln und anderen Feldfrüchten intensiv genutzt wurde, hatten sich die Feldhasenbestände in wenigen Jahren ungefähr verdoppelt. Nach dem Krieg haben die Ackerfläche und auch der Hasenbestand rasch wieder abgenommen. Der Hasenrückgang hat sich dann später fortgesetzt, auch als die Ackerfläche nicht mehr weiter abnahm. Längst hat die Jägerschaft freiwillig auf die Hasenjagd verzichtet. Aber auch das hat den Rückgang bestenfalls verlangsamt.

Es gibt viele logische Theorien dazu, weshalb die Hasenbestände so tief sind und weshalb sie trotz verschiedener positiver Veränderungen der Landwirtschaft in den vergangenen zwanzig Jahren nicht wieder zugenommen haben: Landmaschineneinsatz, Pflanzenschutzmittel, fehlende Deckung, zu viel Störung, zu viele Raubtiere, intensivere Grünlandnutzung, Krankheiten, Zerschneidung der Landschaft durch Strassen und Bauten, Fehlen wichtiger Futterpflanzen im Sommer, und, und, und.

Wenn wir den Hasen helfen wollen, müssten wir wissen, welche Faktoren bei uns wirklich entscheidend sind und wie wir sie verändern können. HOPP HASE geht mit der Unsicherheit so vor: Wir verändern etwas in der Landschaft und überprüfen, ob der Hasenbestand positiv reagiert. Feldhasenschutz als Experiment. Wenn es nützt, wird weitergemacht, wenn es nicht wirkt, wird abgebrochen. HOPP HASE hat sich insgesamt zehn Jahre Zeit gegeben, um den Hasen in Baselland auf die Sprünge zu helfen.

In den vergangenen vier Jahren hat HOPP HASE bereits Folgendes über die Hasen in Baselland gelernt:

  • Erwachsene Feldhasen finden alles, was sie brauchen. Hochwertige Nahrung ist reichlich vorhanden. Ungestörte Ruheplätze sind nur in Gebieten mit vielen Hunden ein Problem.
  • Es gibt kaum Wintersterblichkeit.
  • Verkehrsunfälle spielen fast keine Rolle.
  • Das Problem ist der ungenügende Nachwuchs.
  • In den Wiesen haben die Junghasen keine Chance. Selbst wenn sie von den Messern der Mähmaschine nicht erwischt werden, bedeuten die nachfolgenden Arbeitsschritte den sicheren Tod. Zudem würden überlebende Junghasen in gemähten Wiesen fast sicher von Raubtieren gefunden und gefressen.
  • Darüber hinaus sind die Gründe für das schlechte Aufkommen der Junghasen aber noch nicht klar. Welche Rolle spielen Landmaschinen, Raubtiere und schlechtes Wetter?

Es geht um die Junghasen!
Junge Hasen besitzen weder eine Höhle noch ein Nest. Sie liegen einfach ungeschützt irgendwo in der Landschaft. Einmal pro Nacht werden sie während weniger Minuten von ihrer Mutter gesäugt. Mehr Betreuung gibt es nicht. Frischgeborene Hasen sind etwa 100 Gramm schwer und besitzen ein Fell, das sie ausreichend vor Kälte schützt. Falls es trocken bleibt. Bei nasskaltem Wetter erfrieren viele. Alle Tiere, die eine Maus fressen würden, fressen auch einen neugeborenen Junghasen: Krähen, Bussarde, Füchse, Hauskatzen und viele mehr. Die Junghasen dürfen von diesen Tieren nicht gefunden werden. Sie liegen daher tagsüber bewegungslos auf dem Boden und besitzen keinen Eigengeruch. Weil sie nicht flüchten, werden Junghasen natürlich leicht von Landmaschinen getötet.

Nur wenige Hasen überleben die ersten Lebenswochen. Die Art ist aber für grosse Verluste eingerichtet. Die Fruchtbarkeit des Hasen ist sprichwörtlich. Eine gesunde Häsin kann zwischen Februar und September fünf «Sätzen» mit jeweils zwei bis vier Junghasen das Leben schenken. Das sind also locker fünfzehn Nachkommen einer einzigen Häsin pro Jahr. Wenn davon nur jeder zehnte erwachsen wird, ist der Fortbestand der Population gesichert. Nur wenige mehr müssen Landmaschinen, Raubtieren und nasskaltem Wetter entgehen, und schon wächst der Bestand sogar an. Wir müssen also nur einen kleinen Prozentsatz der Junghasen retten, um bei der Feldhasenförderung Erfolg zu haben.

Wie Junghasen schützen?
In manchen Gegenden Europas betreibt man Hasenhege, indem man möglichst alle Feinde der Junghasen ausschaltet. Das funktioniert, wenn es konsequent betrieben wird, ziemlich zuverlässig. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel in einem Jagdrevier von vier Quadratkilometern, dass in jedem Jahr über 200 Füchse, Krähen, Marder, Wiesel, Katzen etc. geschossen oder in Fallen gefangen werden müssen. Man muss alle töten, die man erwischen kann. Täglich, Jahr für Jahr. Man erreicht eine Landschaft fast ohne Raubtiere, dafür mit reichlich Feldhasen. Je nach Gegend überleben so auch am Boden brütende Vogelarten wie Rebhuhn, Fasan, Kiebitz oder Feldlerche in Landschaften, wo sie sonst keine Chance hätten. Hopp Hase will diese Strategie nicht verfolgen. Als Naturschutzprojekt kann es nicht eine Art dadurch fördern, dass viele andere Arten dauernd rigoros bekämpft werden. Und viele der potenziell hasenfressenden Arten sind ohnehin geschützt und dürfen daher nicht bekämpft werden, wie etwa der Weissstorch, das Hermelin oder der Rotmilan.

Glücklicherweise sind die Junghasen gut getarnt. Ihre Feinde finden sie nur, wenn sie auf der Suche nach anderer Nahrung zufällig in ihre Nähe gelangen. Die Junghasenfeinde sind in der offenen Landschaft meist auf der Jagd nach Mäusen. Also dort, wo diese Beute reichlich vorhanden ist. Wo es weder Mäuse noch andere Raubtiernahrung gibt, sind die Junghasen relativ sicher. Dies ist in erster Linie im Innern von Getreidefeldern der Fall, zumindest im Frühling. Die Mäuse überleben nämlich die verschiedenen Arbeitsgänge des Bauern nur am Feldrand und dies scheinen Fuchs und Co. zu wissen. Wenig von Raubtieren besucht wird auch das Innere von grossen, noch wenig bewachsenen Brachflächen.

HOPP HASE hat nun angefangen, Bauern für das Einrichten von junghasenfreundlichen Flächen zu gewinnen. Dies sind Brachen, die möglichst als breite Inseln inmitten der Felder liegen, anstatt wie üblich als verbundenes Netz von schmalen Streifen längs der Wege. Es braucht für die Hasen nicht mehr Brachen, sondern eine andere Anordnung in der Flur. Ausserdem werden diese Brachen alle zwei Jahre im Winter so bearbeitet, dass die Vegetation teilweise niedrig und lückenhaft bleibt. Eine weitere Massnahme sind Wintergetreidefelder, die dünner als normal eingesät werden. In den normalen Feldern steht der Weizen nämlich so dicht, dass die Hasen ab etwa Anfang Mai gar nicht mehr eindringen können. Gott sei Dank ist der Ertragsausfall der dünn gesäten Felder nicht gross. Die locker stehenden Pflanzen bekommen nämlich mehr Licht und Wasser und tragen deshalb reichere Ähren als die Pflanzen in normal dicht gesäten Weizenfeldern.

HOPP HASE hat erste Hinweise, dass der eingeschlagene Weg zum Erfolg führen könnte. Es ist aber noch zu früh für allgemeine Rezepte zur erfolgreichen Hasenförderung in der Schweiz.

Hopp Hase

Jäger und Naturschützer aus dem Kanton Baselland wollten dem Verschwinden der Hasen aus der Landschaft und dem Bewusstsein der Bevölkerung nicht länger tatenlos zusehen. Sie haben deshalb 2007 das Projekt HOPP HASE gestartet und zu diesem Zweck einen gleichnamigen Verein gegründet. Sie wollen praktikable, auf freiwilliger Basis umsetzbare Massnahmen entwickeln, die auch in anderen Gebieten zur Förderung des Feldhasenbestandes eingesetzt werden können. Dies im Rahmen einer modernen, verantwortungsbewussten Landwirtschaft. Das Ziel sind Feldhasenbesätze, die eine moderate jagdliche Nutzung ermöglichen würden.

HOPP HASE wird hauptsächlich durch Spenden von Stiftungen, Vereinen, Firmen und Einzelpersonen finanziert. Die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert, weitere Gönner sind daher sehr willkommen!

Spendenkonto (IBAN):
CH69 0076 9016 2262 2144 8
www.hopphase.ch

info[at]hopphase.ch

Quelle: Welt der Tiere

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