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Der Garten als Schmetterlingsparadies

Schmetterlinge, diese zauberhaften Sommerbotschafter, erfreuen in ihrer faszinierenden Vielfalt Auge und Herz. Man ist sogar geneigt zu sagen, dass sie uns mit ihrer Leichtigkeit beflügeln. Welcher Naturliebhaber wünscht sich nicht Schmetterlinge im eigenen Garten? Lesen Sie, wie Sie Ihren Garten mit wenig Aufwand in ein kleines Schmetterlings­paradies verwandeln.


Martin Bolliger

Schmetterlinge gehören zu den be­lieb­testen Tieren. Besonders im Frühsommer, wenn die Wiesen im Kulturland gemäht sind, sind sie auf Nahrungssuche in unseren Siedlungen anzutreffen. Unsere Gärten sind aber leider oft «Wüsten» für Schmetterlinge. Wo kurzgeschnittener Golf-Rasen oder fremdländische Thuja- und Kirschlorbeerhecken dominieren, können unsere Schmetterlinge nicht leben. Es fehlen Blüten, um Nektar zu saugen, und es fehlen Pflanzen, die den Schmetterlingsraupen als Nahrung dienen. Wichtig sind auch kleine «Wildnisse», die über den Winter ungeschnitten bleiben und wo die Schmetterlingspuppen über­wintern können. Wäre es nicht schön, wenn sich im eigenen Garten auch Schmetterlinge wohlfühlen würden?

Putzfimmel im Garten schadet den Schmetterlingen

Schmetterlinge lieben Naturgärten mit einer grossen Vielfalt an einheimischen Pflanzen und mit Strukturen wie Ast- und Steinhaufen oder Gartenweiher.  Auch ungemähte Bereiche und Stauden, die über Winter stehen bleiben, fördern die Schmetterlingspopulation. Chemie und Dünger sind für unsere «Gaukler des Sommers» Feinde. Deshalb sollte auch der Nutzgarten möglichst biologisch bewirtschaftet werden. Dabei helfen ein Kompost und ein Regenfass, um die Pflanzen richtig zu versorgen. Die gesamte Biomasse, die über das Jahr anfällt, kann so in den Kreislauf zurück­gebracht werden.

Einheimische Pflanzen bevorzugen

In der Schweiz gibt es rund dreitausend verschiedene Wildpflanzenarten und im Mittelland sind es rund tausenddreihundert. Damit lassen sich die unterschiedlichsten Standorte von schattig bis vollsonnig und von trocken bis nass hervorragend bepflanzen. Lassen Sie sich von einem Gärtner mit Erfahrung im Wildpflanzenbereich beraten. Viele Schmetterlingsraupen sind nämlich von einer ganz bestimmten einheimischen Frasspflanze abhängig – etwas anderes rühren sie nicht an. So frisst etwa die Raupe des häufigen Kleinen Fuchses nur Brennnesseln. Daneben gibt es Arten, die mehrere Raupenfrasspflanzen akzeptieren wie beispielsweise der wohl­bekannte Schwalbenschwanz, der als Raupe verschiedene Doldenblütler nutzt. Exotische Zierpflanzen werden jedoch kaum von unseren Schmetterlingen genutzt und fast nie von deren Raupen. Die gefüllten Blüten bieten oft keinen Nektar und die Blätter werden von den Schmetterlingsraupen als «ungeniessbar» schnöde abgelehnt.

Besonders wertvoll – nährstoff­arme Standorte schaffen

In unserer intensiv genutzten Landschaft sind ungedüngte und nährstoffarme Lebensräume selten geworden. Gerade sie sind aber für die Vielfalt an Pflanzen und Tieren von grossem Wert. Gestalten wir doch eine Ecke im Garten als «Magerstandort» mit Kies, Sand oder Mergel. Auch Kiesflächen bewachsen sich mit der Zeit vollständig. Meist geht es etwas länger als bei humusierten Flächen, es können hier jedoch auch anspruchsvolle Frasspflanzen wachsen wie Wund- und Hufeisenklee oder bei den Gräsern die Aufrechte Trespe. Besonders sonnig gelegene Plätze sind für die Natur attraktiv. Auch Dachbegrünungen eignen sich gut für solche Pionierflächen oder Magerwiesen. Für den Menschen sind derartige Magerstandorte ebenfalls interessant zum Verweilen, Entspannen und Entdecken. Das Betretenwerden schadet diesen Flächen nicht. Nehmen Sie doch einmal einen Liegestuhl und beobachten Sie mit Musse das Kommen und Gehen an Insekten und insbesondere an Schmetterlingen auf einer blühenden Pionierfläche (auch Ruderalfläche genannt) an einem Frühlingstag, Sie werden staunen!  

Martin Bolliger ist Bereichsleiter
Naturschutz des Naturama Aargau

Fotostrecke

Der Kleine Fuchs
Die Puppe
Die Raupe
Schmetterlingsgarten

Was ist das Naturama Aargau?

Das Naturama Aargau ist ein modernes Naturmuseum und gleichzeitig Kompetenzzentrum für Umweltbildung, Naturschutz und Nachhaltigkeit in Aarau. Es zeigt in einer permanenten Ausstellung den Lebensraum Aargau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Neben vielen interaktiven Medien gibt es auch lebende Tiere und Pflanzen zu sehen. Sonderausstellungen und Veranstaltungen, Kurse und Exkursionen prägen das Naturama-Jahr. Öffnungszeiten Di–So 10–17 Uhr.

Homepage: www.naturama.ch

Quelle: Welt der Tiere

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Einige Tipps

  • Hecke mit einheimischen Sträuchern pflanzen. Faulbaum und Kreuzdorn locken im Frühling den Zitronenfalter in den Garten, der nur an diesen zwei Straucharten seine Eier deponiert.
  • An einer sonnigen Ecke, z.B. vor der Hecke, Brennnesselstauden anpflanzen bzw. stehen lassen. Hier können die Raupen des Kleinen Fuchses und des Tagpfauenauges beobachtet werden und deren Falter bei der Eiablage.
  • Im Kräutergarten Dost, Thymian, Salbei und Gewürzfenchel anpflanzen. Hier lässt sich der Schwalbenschwanz und seine «Rüebliraupe» beobachten.
  • Im Staudengarten einheimische Malven und Stockrosen pflanzen, damit locken Sie den Malven-Dickkopffalter und seine Raupe an.
  • Pflanzen Sie im Steingarten Iberis (Schleifenblume) an. Damit lässt sich der Karst-Weissling in den Garten locken.
  • Säen Sie auf magerem kiesigem Grund eine Blumenwiese mit Wundklee, Hufeisenklee und Hornklee an. Hier lassen sich ev. Hauhechelbläuling oder Zwerg-Bläuling beobachten – der kleinste unserer Tagfalter!
  • Wer einen Krautsaum (z.B. vor der Hecke) mit Knoblauch-Hederich und Wiesenschaumkraut ungeschnitten über den Winter stehen lässt, kann vielleicht den Aurorafalter in seinen Garten locken.

Weiterführende Links:
www.bioterra.ch (Naturgarten-Beratung)