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Von schön bis problematisch – neue Tiere in der Schweiz

Bienenfresser

Der Bienenfresser, die Rostgans, der Goldfisch, der Asiatische Marienkäfer, die Tigermücke. So unterschiedlich die Namen klingen, ihnen allen ist etwas gemeinsam: Sie vermehren und verbreiten sich in der Schweiz in freier Wildbahn, gehören aber nicht zur einheimischen Fauna. Es gehört zu einem natürlichen Phänomen, dass sich das Verbreitungsgebiet einer Tierart im Laufe der Zeit verändert. Immer mehr Tiere finden aber auch auf unnatürliche Weise, durch menschliches Mitwirken ihren Weg in neue Lebensräume. Die Verfrachtung von Tieren über den gesamten Globus kann fatale ökologische und ökonomische Schäden verursachen.

 
Einwanderung: ein natürliches Phänomen
Die Freude vieler Vogelbeobachter war gross, als um 1975 der Bienenfresser in der Schweiz zum ersten Mal brütete. Diese auffallend bunt gefärbte Vogelart bevorzugt warme Temperaturen. Ursprünglich beschränkte sich ihr Brutgebiet auf den Mittelmeerraum. Vermutlich aufgrund des Klimawandels ist der Bienenfresser nun auf Expansionskurs und erobert auch nördlichere Gebiete, wie die Schweiz. Das zunehmend wärmere Klima nördlich der Alpen ermöglichten nicht nur dieser Art eine Ausweitung ihres Lebensraums. Insbesondere bei Insekten wird eine verstärkte Zuwanderung südeuropäischer Arten festgestellt. Es liegt in der Natur jeder Art, ihr Verbreitungsgebiet auszuweiten. Es ist somit normal, dass sich die Zusammensetzung von Arten im Laufe der Zeit verändert. Natürliche Barrieren, wie Ozeane oder unterschiedliche klimatische Bedingungen, verhindern, dass überall auf der Erde dieselben Tierarten vorkommen. Das eingespielte Gleichgewicht zwischen den Tier- und Pflanzenarten kann aber durch ein unerwartet rasches Verschwinden von Barrieren durcheinander gebracht werden.

Unerwünschte Gäste in freier Wildbahn
Durch menschliche Einflüsse kommt es immer wieder vor, dass Tiere über natürliche Barrieren «getragen» werden und neue Lebensräume erobern können. Neozoen nennt man solche Tierarten, die ab 1500 n. Chr. unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in einen neuen Lebensraum gelangt sind und sich dort in freier Wildbahn vermehren und verbreiten. Durch den internationalen Gütertransport und Personenverkehr werden zunehmend fremde Tiere eingeschleppt. Andererseits spielt aber auch die bewusste Einfuhr von nicht einheimischen Tieren eine zentrale Rolle. Ob sich eine Tierart aus Europa, Amerika oder Asien bei uns wohl fühlt und vermehren kann, hängt stark von ihren Eigenschaften und Ansprüchen ab. Nicht heimische Arten haben oft keine natürlichen Feinde und können sich auf Kosten heimischer Arten ungebremst vermehren. Neozoen werden deshalb, nebst dem Verlust von Lebensräumen, als zweitgrösste Bedrohung für die biologische Vielfalt eingestuft.

  • Rostgans
  • Goldfische
  • Asiatischer Marienkäfer

 
Der kurze Weg von der Gefangenschaft ins Freie
So gross die Freude über die Entdeckung eines brütenden Bienenfresserpaars in der Schweiz war, so unerfreut war man über die Entdeckung von wild lebenden Rostgänsen (Tadorna ferruginea). Diese Art stammt ursprünglich aus Steppen- und Wüstenzonen Zentralasiens und Nordafrikas. In die Schweiz eingeführt wurde sie dereinst zur Verschönerung von Zoo- und Parkanlagen, von wo sie leicht den Weg in die neue Freiheit fand. Durch rasante Vermehrung und Verdrängung einheimischer Arten, stellt sie eine Bedrohung der Biodiversität dar.

Ein grosses Problem ist auch das ge­dankenlose oder mutwillige Aussetzen importierter Tierarten. Immer wieder kommt es vor, dass Zuchttiere, wie beispielsweise Goldfische (Carassius auratus) ausgesetzt werden. Goldfische stammen ursprünglich aus Asien und können in jeder Zoohandlung gekauft werden. Gelangen diese Allesfresser in ein natürliches Gewässer, führen sie rasch zum Aussterben heimischer, besonders bedrohter Tierarten, wie z.B. Amphibien.

Nützlinge, die zu Schädlingen werden
Auch die mit guter Absicht eingeführten neuen Arten, können oft unerwartete Folgen haben. Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) wurde einst absichtlich aus China und Japan nach Europa gebracht. Als besonders gefrässige Art wurde er in Gewächshäusern zur natürlichen Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Einzelne Tiere entwischten dabei. Erste freilebende Tiere fand man 2001 in Belgien. Seither hat diese Art rasch viele Nachbarländer erobert. Die genaue Verbreitung ist nicht bekannt, aber der Käfer wurde mittlerweile auch in vielen Regionen der Schweiz gesichtet. Aufgrund seiner erfolgreichen Eroberung besteht die Gefahr, dass der asiatische Marienkäfer unsere einheimischen Glücksbringer verdrängen wird.

Blinde Passagiere als gesundheitliches Risiko
Mit der zunehmenden Mobilität des Menschen nimmt auch die unabsichtliche Verfrachtung verschiedener Tierarten zu. Seit einigen Jahren findet man im Kanton Tessin beispielsweise die Tigermücke (Stegomyia albopicta). Diese Mückenart fand offenbar mit Warenlieferungen aus China ihren Weg in die Schweiz. Ihr Vorkommen ist insofern bedeutsam, da sie verschiedene Viruskrankheiten übertragen kann und somit für den Menschen ein gesundheitliches Risiko darstellt.

Nicht mehr wegzubringen
Laut dem Bericht über die gebietsfremden Arten der Schweiz vom Bundesamt für Umwelt zählen wir gegenwärtig über 800 etablierte gebietsfremde Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Bakterienarten. Obschon die meisten gebietsfremden Arten ein diskretes Dasein fristen und keine unmittelbar negative Auswirkung auf heimische Arten bekannt sind, gibt es immer wieder einzelne Arten, die sich ungebremst vermehren und Schäden anrichten. Diese problematischen Tierarten bezeichnet man als «invasive» Neozoen. In der Schweiz werden derzeit 10–15% der Neozoen als invasiv eingestuft. Dazu gehören fünf Säugetiere, vier Vögel, ein Reptil, drei Amphibien, sieben Fische, vier Weichtiere, 16 Insekten, sechs Krebstiere, drei Spinnen und zwei «Würmer».

Die Schweiz übernimmt Verantwortung
Die ökologischen Auswirkungen dieser invasiven Problemarten ist nicht zu unterschätzen. Nebst den negativen Auswirkungen auf die Umwelt können sie auch enorme ökonomische Schäden verursachen. Erhöhte Kosten entstehen durch Verluste von land- und forstwirtschaftlichen Produkten sowie durch erhöhte Bekämpfungsmassnahmen. Der Handlungsbedarf ist gross. In der Schweiz schreibt deshalb ein Gesetz die Bekämpfung von invasiven gebietsfremden Arten vor, mit dem Ziel, deren Verbreitung einzudämmen oder zu verhindern. Die Umsetzung dieses Gesetzes liegt bei den Kantonen. Sie haben die Aufgabe, die vom Bundesamt für Umwelt vorgegebenen Massnahmen zur Bekämpfung der einzelnen invasiven Problemarten vorzunehmen. Gehen wir zurück zum Beispiel der Rostgans. Im Kanton Aargau wurde ein Wildhüter beauftragt, die einzelnen Tiere abzuschiessen. Ziel dieser Massnahme ist eine rigorose Dezimierung des hiesigen Rostgansbestandes. Da grös­sere Populationen frei lebender Rostgänse sich bisher vorwiegend auf die Schweiz beschränken, ist es besonders wichtig, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Viele auch private Organisationen haben sich mit möglichen Bekämpfungsmethoden invasiver gebietsfremder Pflanzenarten befasst. Da es oft schwierig ist, invasive Tierarten zu erkennen und zu bekämpfen, gibt es bisher nur wenige brauchbare Ratschläge.

Weitere Informationen, Merkblätter und Abbildungen liefern verschiedene Fachstellen im Internet:

Fachspezialisten in unterschiedlichen Regionen findet man unter Schweizerischer Verband der Neobiota-Fachleute:

Fachstelle Natur und Landschaft des Kantons Aargau

Der Natur- und Landschaftsschutz wird vom Bund wesentlich an die Kantone delegiert. Im Kanton Aargau ist die Fachstelle Natur und Landschaft für die Umsetzung des schweizerischen Natur- und Heimatschutzgesetzes verantwortlich. Nebst der Erhaltung verbliebener Naturreste ist auch das aktive Fördern naturnaher Lebensräume und gefährdeter Tierarten eine wichtige Aufgabe. Aktuelle Projekte reichen zum Beispiel von der Pflege von über 2000 ha Naturschutzgebiet bis zu mehreren Millionen teuren Renaturierungsprojekten in Auenlandschaften.

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