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Schwarzspecht – Zimmermann des Waldes

Der Schwarzspecht ist vorzüglich an das Leben auf dem Baum angepasst. Die krähengrosse Spechtart ist kohlrabenschwarz und hat einen roten Scheitel. Als begnadeter Höhlenbauer öffnet er den Wald für rund sechzig andere Tierarten. Damit kommt ihm eine Schlüsselfunktion im Wald zu. Der Schwarzspecht ist deshalb vom Schweizer Vogelschutz SVS zum Vogel des Jahres 2011 erkoren worden.

Christa Glauser

 

Kliö, kliö tönt es durch den Wald. Flink hüpft der Rufer einen morschen Baum hinauf und hackt immer wieder auf ihn ein. Das Schwarzspechtmännchen ist auf Futter­suche. Unter den kräftigen Schnabelhieben fliegen die Späne weg. Mit seiner rund fünf Zentimeter langen Zunge angelt es Käferlarven oder Ameisen aus dem Holz. Die Zunge ist an der Spitze mit kleinen Widerhäkchen versehen und klebrig.

Der krähengrosse Schwarzspecht hat

im Ökosystem Wald eine Schlüsselfunk­tion. Er zimmert seine Schlaf- und Bruthöhlen in mindestens vierzig Zentimeter dicke, alte Bäume, bevorzugt in Buchen oder Weisstannen. Nur alle drei bis sieben Jahre baut er eine neue Höhle. Alte Höhlen werden aber bis zu dreis­sig Jahre genutzt und wieder ausgebessert. Verlassene Spechthöhlen dienen mehr als sechzig weiteren Tierarten als Wohnhöhlen, zum Beispiel dem Baummarder, den Dohlen und Hohltauben, den Fledermäusen, dem seltenen Raufusskauz, den Hornissen oder Käfern.

Anhand der Resonanz beim Abklopfen eines Baumes merkt der Specht, wo sich faule Stellen befinden, auch wenn den Bäumen von aussen noch nichts anzusehen ist. Mit wuchtigen Schlägen beginnt er an einer solchen Stelle eine Höhle zu zimmern. Oftmals schlägt er nur eine Initialhöhle und lässt dann Holzpilze das harte Holz aufweichen. Erst zwei bis drei Jahre später fährt er dann mit dem Höhlenbau fort. Schwarzspechte schlagen auf Futtersuche und beim Höhlenbau täglich rund 12’000 Mal aufs Holz und dies mit einer Kraft, als würde man ungeschützt mit einem Mofa gegen eine Wand fahren. Warum bekommt der Specht dadurch keine Hirnerschütterung? Sein ganzer Körperbau ist darauf ausgerichtet, die Schläge aufzufangen. Im Übergang Schnabel-Schädelknochen verfügt er über ein weiches Knochengewebe, welches als Stossdämpfer wirkt. Der Schädelraum ist relativ gross und eine starke Nacken- und Brustmuskulatur ermöglicht einerseits den Schlag, leitet aber auch den Rückschlag über den Körper ab. Die Rippenbogen sind dazu noch verbreitet und untereinander verbunden. Eine perfekte «Ausrüstung».

Schwarzspechte sind Einzelgänger

Männchen und Weibchen haben eigene Schlafhöhlen und nutzen nur während der Brutzeit eine gemeinsame Höhle für die Aufzucht der drei bis fünf Jungen. Daher gibt es in alten Waldbeständen eigentliche Höhlenzentren. Die weissen, kugelrunden Eier legt das Weibchen Mitte April. Bebrütet werden sie tagsüber von beiden Altvögeln, in der Nacht aber nur vom Vater. Die Jungen schlüpfen nach dreizehn Tagen und fliegen nach rund vier Wochen aus. Danach werden sie noch bis in den Herbst von den Eltern geführt. Ein Schwarzspechtpaar verfüttert rund 150’000 bis 180’000 Insekten und deren Larven an seine Jungen.

Dicke Bäume und viel Totholz auf der ganzen Waldfläche nötig

Schwarzspechte beanspruchen ein Revier von 400 bis 800 Hektaren Grösse. In diesem müssen sie neben genügend Höhlenbäumen auch viel Totholz vorfinden. Diese Elemente müssen auch bei einer stärkeren Nutzung von Holz gewährleistet bleiben und das nicht nur in Waldreservaten. Es sind mindestens zehn dicke Bäume und über 20 Kubikmeter Totholz pro Hektare Wald nötig, um Schwarzspechte oder andere Spechtarten wie den Dreizehen- oder Weiss­rückenspecht und deren Nahrungstiere zu erhalten. Viele der häufigsten Totholzbewohner unter den Käfern benötigen sogar dreissig bis sechzig Kubikmeter Totholz pro Hektare. Heute finden sich im Mittelland, dort wo 1999 der Sturm Lothar wütete, im Schnitt nur rund zehn bis zwölf Kubikmeter pro Hektare. Andernorts noch weniger. Das zeigt, dass wir zurzeit im Wald die Bäume zu wenig alt werden lassen und damit zu wenig Totholz zurückbleibt. Gleichzeitig ertönt der Ruf nach mehr Energieholz aus dem Wald immer lauter. Wollen wir tatsächlich rund 4000 Arten, die auf alte Bäume und Totholz angewiesen sind, einfach «verheizen»? Da gilt es, neue Ansätze zu suchen, um sowohl den Totholzanteil steigern zu können als auch Energieholz zu gewinnen. Schlechtwüchsige Waldstandorte könnten zukünftig vermehrt für die Energieholznutzung ausgeschieden werden, ebenso ermöglichen Mittelwaldschläge mit langen Umtriebszeiten oder Niederwälder eine Energieholznutzung. Belässt man auf diesen Energieholzflächen genügend Totholz und bleiben Gruppen von älteren, dicken Bäumen stehen, können solche Flächen dennoch einem grossen Spektrum an Arten im Wald Lebensraum bieten. Achtet man vermehrt darauf, werden mit der Zeit auf Teilen der Waldfläche andere Waldbilder entstehen, als wir bisher gewohnt waren.

Höhlenbäume suchen und sichern

Höhlen werden sowohl vom Schwarzspecht wie auch von seinen kleineren Verwandten und deren Nachmietern über Jahre genutzt. Wichtig ist daher, dass Bäume mit Höhlen stehen bleiben. Vereine, Schulklassen, Jugendgruppen und Private können ihren Beitrag an den Schutz von Höhlenbäumen leisten, indem sie auf die Suche nach Höhlenbäumen gehen und diese dem Förster melden. Spechthöhlen findet man am besten nach dem Laubfall bei leicht bedecktem Himmel und trockenen Verhältnissen. Auf nassen Bäumen sind die Höhlen weniger gut sichtbar. In Parzellen mit einem alten Baumbestand ist die Wahrscheinlichkeit grösser, auf Höhlenbäume zu stossen.

Ganz wichtig ist, dass bereits die Idee dazu mit dem zuständigen Förster und dem Waldbesitzer abgesprochen wird. Unter www.birdlife.ch/wald kann auch ein Merkblatt zur Höhlenbaumsuche und das Anmeldeformular herunter­geladen werden. Für Schulklassen und Jugendgruppen gibt es beim SVS ein 17-seitiges Sonderdossier Schwarzspecht mit Arbeitsblättern. Fragen zu dieser Aktion beantwortet Ihnen die Geschäftsstelle des SVS gerne telefonisch oder per E-Mail auf svs[at]birdlife.ch.   


Christa Glauser engagiert sich
beim Schweizer Vogelschutz SVS/
BirdLife Schweiz

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Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz ist die einzige schweizerische Naturschutzorganisation mit lokalen Natur- und Vogelschutzvereinen. Als Dachverband vereint er zwei Landesorganisationen, 17 Kantonalverbände und 450 Natur- und Vogelschutzvereine in den Gemeinden mit gegen 61’000 Mitgliedern.
Der SVS engagiert sich mit Kampagnen und Schutzprojekten aktiv für mehr Natur im Kulturland, im Wald und im Siedlungsraum und setzt sich für eine umfassende Sicherung von Schutz­gebieten wie Wasservogelreser­vate, international wichtige Schutzgebiete (IBA) oder Biotope von nationaler Bedeutung, wie z.B. die Moore, ein. Zusammen mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und dem BAFU (Bundesamt für Umwelt) koor­diniert er das Programm «Artenförderung Vögel Schweiz» und setzt
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Sauge am Neuenburgersee, gibt die Zeitschriften Ornis und Ornis junior heraus, führt Kurse durch und unterstützt die Jugendarbeit.

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