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Waldtagfalter – bunte Farben im lichten Wald

Das nächtliche Gewitter zieht mit Blitz, Donner und heftigem Regen vorbei. Gegen den Mittag lösen sich die letzten Wolken auf, die Sonne scheint durch nebelartige Schwaden. Es wird drückend heiss und feucht. Ideales Wetter, um Ende Juni einen der schönsten einheimischen Schmetterlinge zu beobachten, den Grossen Schillerfalter.

Waldtagfalter in der Schweiz

Scheue Geschöpfe
Voller Zuversicht mache ich mich also auf den Weg in den nahegelegenen Wald. In Gedanken versunken, ob und wo ich die Art antreffe, ist die erste Chance vertan. Den Falter sehe ich nur aus dem Augenwinkel, ein grosser dunkler Schatten fliegt vorbei, hoch hin­auf in die Baumkronen. Schillerfalter sind scheue Geschöpfe. Bei hastiger Bewegung des Beobachters oder bei Geräuschen, etwa beim Gehen, reagieren sie mit schneller Flucht. In solchen Fällen bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Oft kommen die Schmetterlinge wieder zurück, um auf dem Boden Feuchtigkeit und Nährstoffe aufzusaugen. So beschliesse ich weiterzugehen und nach ein paar Minuten wieder an die Stelle zurückzukehren, von welcher der seltene Schmetterling entschwand.

Waldtagfalter
Der Grosse Schillerfalter gehört zu denjenigen Schmetterlingsarten, welche in hohem Masse oder fast ausschliesslich auf den Wald als Lebensraum angewiesen sind, zu den Waldtagfaltern. Wer zu dieser Gruppe gehört oder nicht, ist eine Frage der Definition. Rein theoretisch kann ja fast jeder Schmetterling in einen Wald hinein oder darüber fliegen. Von den etwas mehr als 200 Schweizer Tagfalterarten sind es etwa zwei bis drei Dutzend, welche sich in entsprechenden Waldlebensräumen entwickeln können. Dies im Gegensatz zu den Nachtfaltern, welche mit über 3500 Arten in der Schweiz vertreten sind und von denen sich sehr viele in den Wäldern wohlfühlen.

Aufgrund der Ansprüche der Raupen kann man die Waldtagfalter in zwei Gruppen unterteilen: Die Raupen der Busch-/Baum-Arten ernähren sich von den Blättern verschiedener Büsche und Bäume, die Raupen der Kraut-/Gras-Arten leben von verschiedenen Süss- und Sauergräsern sowie von krautigen Pflanzen. Die meisten Arten sind allerdings sehr wählerisch. Es genügt nicht, dass die jeweils benötigte Raupenfrasspflanze im Lebensraum vorkommt, sie muss auch an einem Ort wachsen, der dem eierlegenden Weibchen zusagt. Nach welchen Kriterien genau die Frasspflanzen ausgesucht werden, ist für viele Arten nach wie vor unklar.

Spezielle Nahrungsaufnahme
Einige Waldtagfalter verschmähen als Falter zudem Blumenpracht und Nektar. Sie ernähren sich vielmehr von allerlei «Unappetitlichem»: Mit ihrem Rüssel saugen sie Nährstoffe und Salze aus durchnässten Böden auf. Auch tierische Exkremente wie Marder-, Fuchs- oder Hundekot ziehen sie magisch an und sie schrecken auch nicht davor zurück, sich an toten Tieren (Mäusen, Eidechsen, Fröschen, Amphibien usw.) zu laben.

So auch «mein» aufgescheuchter Schillerfalter, dem ich auf dem Rückweg wieder begegne. Das schillernde Männchen ist mit einem Fuchskot beschäftigt, so sehr, dass er sich gut fotografieren lässt. Er öffnet und schliesst seine Flügel. Je nach Lichteinfall schillern seine Flügel­oberseiten in samtigem Blau-Schwarz – ein wunderschöner Anblick.

Artenvielfalt auf Sturmflächen
Der Grosse Schillerfalter hat auch einen «kleinen Bruder», den Kleinen Schillerfalter. Dieser ist aber in der Schweiz weit weniger verbreitet, obwohl er stellenweise in grösserer Zahl auftreten kann. Bis vor wenigen Jahren galt die Art in weiten Teilen der Nordschweiz als ausgestorben und vor allem an Auenwälder gebunden. Etwa seit der Jahrtausendwende mehren sich aber Beobachtungen, dass die Art auch an einigen bisher unbekannten Stellen vorkommt, auch fernab von Gewässern und sogar an Orten, an denen man sie nicht vermuten würde.

Auch der Grosse Schillerfalter scheint etwas häufiger als früher vorzukommen. Es scheint so, dass der Sturm Lothar dafür mitverantwortlich ist. Die orkanartigen Winde haben für die Forstwirtschaft grosse Verluste gebracht, für die Natur jedoch an manchen Stellen die Artenvielfalt gefördert. Auf den Sturmflächen vermehrten sich Pioniergehölze wie Espen (Zitterpappeln), Salweiden, Birken usw. Just diese sind für die Schillerfalter und einige andere Waldtagfalterarten unentbehrlich, denn davon ernähren sich die Raupen und ohne Raupen gibt es keine Schmetterlinge.

Lichter Wald
Eine besondere Form des Waldes stellt der lichte Wald dar. Dieser ist, wie es der Name andeutet, durch einen geringen Kronenschluss und eine gut ausgeprägte Krautschicht charakterisiert. Da die Sonnenstrahlen den Boden gut erreichen können, kann sich hier eine sehr vielfältige Pflanzen- und Tierwelt entwickeln. Lichte Wälder gehören somit zu den artenreichsten Lebensräumen.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in solchen Lebensräumen eine besonders grosse Artenvielfalt an Schmetterlingen herrscht. Hier trifft die bunte Schar der Perlmutter- und Scheckenfalter auf Weisslinge, verschiedene Edelfalter, Augenfalter und Bläulinge. Auch verschiedene tagaktive Nachtfalter wie das Taubenschwänzchen, die Blutströpfchen, Spanner und Eulen können in lichten Wäldern beobachtet werden.

Ähnlich wie lichte Wälder sind auch äus­sere und innere Waldsäume für Schmetterlinge wichtig, etwa entlang von Waldwegen, Bächen oder Flussufern. Wegen der besseren Besonnung kann sich eine üppige Hochstauden- und Krautschicht entwickeln. Die Saumbereiche dienen dazu oft als Verbindungskorridore oder Trittstein-Biotope entlang derer sich die Schmetterlinge ausbreiten und neue Lebensräume besiedeln.

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Pflege ist wichtig
Wälder wachsen von Natur aus zu. Es ist deshalb wichtig, dass die jeweiligen Lebensräume entsprechend gepflegt oder genutzt werden, damit sie gut besonnt und offen bleiben. Dabei ist es wichtig, sich mit den Ansprüchen der jeweiligen Arten auseinanderzusetzen, damit man nicht das Falsche am richtigen Ort oder das Richtige am falschen Ort macht.

Hier ein paar Tipps zur Förderung von Waldtagfaltern und anderen Schmetterlingen im Wald:

  • Raupenfrasspflanzen schützen und fördern, insbesondere Salweide, Espe, Schwarzpappel und Stieleiche. Bekannte Frasspflanzen dringend schonen, den Ansprüchen der Tagfalterart entsprechend pflegen!
  • Neue Bestände an den dafür geeigneten Orten fördern, wenn immer möglich durch spontane Neubesiedlung/Naturverjüngung. Bei Bedarf neu anpflanzen. Dabei sowohl Einzelbäume/-büsche als auch grössere Bestände (Gruppen) aufbauen.
  • Bäume möglichst vieler Altersstufen nebeneinander stehen lassen.
  • Vor allem im Waldsaumbereich eine gut ausgeprägte Kraut-/Grasschicht fördern.
  • Breite Waldbuchten mit unterschiedlichen Verwaldungsstadien anlegen.
  • Teile von Waldrändern offen (buschfrei) halten, jedoch dringend einzelne Buschgruppen stehen lassen, insbesondere nektarspendende (Liguster, Schwarzdorn, Brombeere, Geissblatt usw.) und solche, an denen die Waldtagfalterraupen leben.
  • Breite Waldrandzonen mit stufigem Aufbau (Krautsaum, Gebüschmantel, Waldrand) fördern.
  • Saumbereiche nur sehr extensiv und schonend pflegen. Wenn Strassenränder gemulcht werden müssen: nur die ersten 0,5 m mulchen. Nie alles auf einmal pflegen (alternierend Abschnitte stehen lassen).
  • Pufferzonen zum angrenzenden Kulturland anlegen und extensiv nutzen, auch mehrjährige Brachen zulassen, auf ein gutes Nektarangebot achten.
  • Förster und Forstwarte über die Bedeutung der Raupenfrassbäume/-büsche sowie Kraut-/Grasfluren aufklären.

Bitte melden
Damit die Waldtagfalter auch langfristig eine Überlebenschance haben, hat SVS/BirdLife Schweiz zusammen mit der Arbeitsgruppe Tagfalterschutz in der Schweiz eine mehrjährige Kampagne «Waldtagfalter» gestartet. In einer ersten Phase geht es darum, die noch vorhandenen Bestände der stark gefährdeten Arten zu erfassen, um dann konkrete Schutz- und Förderungsmassnahmen in die Wege zu leiten und umzusetzen.

Ein Faltblatt, welches einige wichtige Arten vorstellt, kann beim SVS/BirdLife Schweiz bezogen werden oder direkt aus dem Internet geladen werden (www.birdlife.ch, Aktion Waldtagfalter). Hier können auch Waldtagfalter-Beobachtungen direkt übers Internet gemeldet werden. Bitte machen Sie mit und melden Sie Ihre Beobachtungen, auch wenn sie bereits mehrere Jahre zurückliegen. Jede Meldung zählt!    

Tagfalterschutz in der Schweiz

Die Arbeitsgruppe Tagfalterschutz in der Schweiz ist seit 2001 bestrebt, die am meisten gefährdeten Tagfalterarten zu erfassen, Schutz- und Förderungsmassnahmen zu formulieren und deren Umsetzung zu organisieren. Die Arbeitsgruppe wird von regionalen Koordinatoren geleitet:

Deutschschweiz: Goran Dušej, Andreas Rotach
Welschland: Emmanuel Wermeille Tessin: Nicola Patocchi.

Wenn Sie wollen, können Sie die Arbeitsgruppe finanziell unterstützen. Spendenkonto (IBAN): CH45 0900 0000 1729 9359 8 oder über goran.dusej[at]bluewin.ch Kontakt aufnehmen.

Quelle: Welt der Tiere

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