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Bei Tierquälerei ist Zivilcourage gefragt!

Straftaten an Tieren kommen leider immer wieder vor. Weil sich Tiere nicht selber wehren können, sind sie auf aufmerksame und couragierte Men-schen angewiesen, die Beobachtungen von Misshandlungen, Vernachlässi-gungen oder gesetzeswidrigen Tierhaltungen den zuständigen Behörden anzeigen. Tierquäler müssen wissen, dass ihre Taten keine Privatsache sind und von der Gesellschaft nicht hingenommen werden.

Gieri Bolliger / Andreas Rüttimann (TIR)

Regelmässig liest oder hört man, wie Tiere misshandelt oder unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Sehr häufig geschehen solche Taten im Verborgenen und hinter verschlossenen Wohnungs-, Gehege-, Stall- oder Labortüren. Hinzu kommt, dass es sich bei den Tätern oft um die Tierhalter selber handelt und diese alles daran setzen, dass ihre Handlungen unentdeckt bleiben. Aber auch wenn Drittpersonen Tierschutzdelikte beobachtet haben, werden die Täter oftmals nicht verfolgt, weil den Zeugen die Bereit-schaft fehlt, das Gesehene den zuständigen Behörden zu melden. Ohne entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung können diese jedoch meistens gar nicht tätig werden und somit weder den Tieren helfen noch die Täter zur Verantwortung ziehen.

Gewalt gegen Tiere ist keine Privatangelegenheit und auf keinen Fall zu tolerieren. Als Tierfreund und verantwortungsvoller Bürger darf man Tierschutzdelikte nicht einfach hinnehmen. Die betroffenen Tiere sind darauf angewiesen, dass Zeugen nicht wegschauen, sondern dafür sorgen, dass ihr Leid beendet und entsprechende Taten ans Tageslicht gebracht und untersucht werden. Je nach Art der Handlung und Dringlichkeit des Ein-schreitens wendet man sich bei Vorliegen eines Tierschutzdelikts an die Polizei oder den Veterinärdienst des Kantons, in dem sich der Vorfall ereignet.

Nicht wegschauen bei Tierquälereien!

Wer Zeuge einer Straftat gegen Tiere wird, sollte als erstes versuchen, den Täter auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen und von seinem Tun abzubringen. Sinnvoll ist auch, andere Anwesende zur Mithilfe aufzufordern. Ein Ansprechen des Täters ist aber nur dann angezeigt, wenn die Umstände es zulassen und er nicht aggressiv oder sogar bewaffnet ist. In diesem Fall sollte über die Notrufnummer 117 unverzüglich die Polizei verständigt werden. Ebenfalls an die Polizei wenden sollte man sich, wenn Tiere in unmittelbarer Lebensgefahr sind oder dringend vor weiteren Übergriffen geschützt werden müssen. Dasselbe gilt, wenn Tiere tot aufgefunden werden und der Verdacht besteht, dass sie aufgrund einer Straftat gestorben sind. Weil alle Verstösse gegen das Tierschutzrecht sogenannte Offizialdelikte sind, müssen die zuständigen Behörden ihnen zwingend nachgehen, sobald sie Kenntnis davon haben.

Beobachtungen von Verstössen bei der Haltung und Zucht von Tieren oder beim Tierhandel sollten – auch wenn solche Delikte ebenfalls bei der Polizei angezeigt werden können – in erster Linie den kantonalen Veterinärdiensten gemeldet werden, weil diese für die Überwachung der erwähnten Bereiche zuständig sind. In der mündlichen oder schriftlichen Meldung sollte die Tatsituation so genau wie möglich geschildert werden. Gibt es weitere Zeugen oder Beweismittel wie Fotos, Filmaufnahmen etc., sind diese unbedingt anzugeben, da sie bei den Ermittlungen wichtige Dienste leisten können. Je genauer ein Vorfall beschrieben und dokumentiert wird, desto grösser ist die Chance, dass der Täter zur Verantwortung gezogen werden kann. Liegen Anhaltspunkte für einen Verstoss gegen das Tierschutzrecht vor, veranlasst der Veterinärdienst so bald wie möglich eine Kontrolle vor Ort. Bei Notfällen ist er zudem verpflichtet, unverzüglich einzuschreiten. Dies gilt vor allem, wenn Tiere vernachlässigt oder unter völlig ungeeigneten Bedingungen gehalten werden.

Harte Strafen möglich…

Die rechtlichen Grundlagen, um Tierschutzdelikte angemessen zu ahnden, sind vorhanden. Das Tierschutzgesetz sieht harte Strafen vor, die einerseits das den Tieren angetane Leid vergelten und anderseits vorbeugend wirken sollen, indem sie den Täter und auch andere Personen von weiteren Delikten abhalten.

Straftaten an Tieren werden in die beiden Hauptkategorien "Tierquälereien" und "übrige Widerhandlungen" eingeteilt. Lange nicht jede Handlung, die im Volksmund als Tierquäle-rei bezeichnet wird, ist aber auch im Gesetzessinn eine solche. Während der Begriff um-gangssprachlich oft für alle Schmerzen und Leiden verwendet wird, die einem Tier von Menschen zugefügt werden, definiert das Gesetz Tierquälereien enger. Im rechtlichen Sinn begeht eine Tierquälerei, wer beispielsweise ein Tier misshandelt, vernachlässigt, unnötig überanstrengt, aussetzt, qualvoll oder mutwillig tötet oder dessen Würde in ande-rer Weise missachtet, wie etwa bei sexuell motivierten Handlungen mit ihm. Auf vorsätzli-che Tierquälerei stehen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen, die theoretisch bis über eine Million Franken betragen können. Unter die "übrigen Widerhandlungen", für die Bussen von bis zu 20'000 Franken möglich sind, fallen die weniger gravie-renden Verstösse, wie etwa das Halten eines Tieres in einem zu kleinen Gehege oder das gewerbsmässige Handeln mit Tieren ohne die notwendige Bewilligung.

… Vollzug aber mangelhaft

Gesetzesartikel nützen jedoch nur, wenn die zuständigen Behörden sie auch wirklich an-wenden. Leider werden Tierschutzdelikte in der Praxis oft nur halbherzig oder gar nicht verfolgt beziehungsweise zu milde bestraft. Die Gründe für die Vollzugsmängel liegen so-wohl im unterschiedlich effizienten kantonalen Instrumentarium als auch bei den Straf-untersuchungsbehörden, die Tierschutzdelikte häufig nach wie vor bagatellisieren. Nicht selten fehlt es auch an Fachkenntnissen im Tierschutz und Tierschutzrecht sowie schlicht am Interesse für die Thematik. Um die Durchsetzung des Tierschutzstrafrechts zu ver-bessern, führt die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) auf www.tierimrecht.org seit 2003 eine Datenbank mit sämtlichen dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) seit 1982 gemeldeten Schweizer Tierschutzstrafentscheiden. Sie sind in anonymisierter Form für jedermann unentgeltlich abrufbar. Jedes Jahr analysiert die TIR das gesamte Fallmaterial des Vorjahres eingehend und präsentiert die Resultate in ei-nem ausführlichen Bericht über die Entwicklungen und Tendenzen der Schweizer Tier-schutzstrafpraxis. Damit kann fundiert auf die Vollzugsmängel hingewiesen und Druck auf die zuständigen Behörden ausgeübt werden. Auf diese Weise konnte die TIR wesentlich dazu beitragen, dass in vielen Kantonen heute weit mehr Tierschutzdelikte verfolgt werden als noch vor einigen Jahren und Tierquäler somit immer öfter für ihre Taten auch tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden. Es ist zu hoffen, dass dieser erfreuliche Trend in Zukunft anhält und auch jene Kantone erfasst, die dem Vollzug des Tierschutzrechts bisher nicht die notwendige Bedeutung beigemessen haben.

Quelle: Welt der Tiere / Stiftung für das Tier im Recht

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