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...die Stiftung für das Pferd?

«Menschen helfen Pferden, Pferde helfen Menschen», so lautet das Motto der Stiftung für das Pferd, die im Jura in ihren drei Heimen fast 170 alte Pferde, Ponys und Esel beherbergt. Die Stiftung bietet den Tieren einen Lebensabend in Herdengesellschaft und in der Freiheit grosser Weiden – weil sie unsere Mitgeschöpfe sind und zum Dank für die uns geleisteten Dienste.


Dr. Beatrice Michel

Da sind sie, 60 Pferde, verteilt auf einer grossen, mit alten Juratannen und Gebüschen bestandenen Weide. Sie grasen friedlich, unter einem weiten Himmel, und lassen sich von den gelegentlichen Besuchern nicht stören. Da ist Viçoso, das ehema­lige Zirkuspferd, umringt von seinen Stuten und aufmerksam beobachtet von Leo, der schon lange ein Auge auf gewisse «Damen» geworfen hat. Der grosse Cacao folgt auf Schritt und Tritt der kleinen Ponydame Famous, die von einer Tierfreundin aus schrecklichen Verhältnissen gerettet wurde. Mit seinen 36 Jahren – die man ihm nie geben würde, so stolz trägt das ehemalige Dressurpferd seinen Kopf – ist der Schimmel Iltschi der Alterspräsident der Herde. Wir befinden uns in Maison Rouge, der grossen Station neben dem Dorf
Les Bois.

Die Gründung

Die Stiftung verdankt ihr Dasein dem Berner Journalisten und Schriftsteller Hans Schwarz. Der empörte sich in den späten 1950er Jahren derart über das massenhafte Sterben von Arbeitspferden, dass er beschloss, zu handeln. Er konnte nicht zusehen, wie brave Pferde nach einem langen Arbeitsleben einfach zum Metzger gebracht wurden. Kurzerhand gründete er mit ein paar Freunden zusammen die Stiftung und begann, alte Pferde und Fohlen vor dem Schlachter zu retten. Er kaufte den Hof «Le Roselet» im Jura und baute die ersten Stallungen. 53 Jahre später zählt die Stiftung drei Heime, das kleine «Le Jeanbrenin» in der Nähe von Corgémont und die mit 57 Hektaren grösste Station «Maison Rouge». In diesen drei Heimen leben alte Pferde, aber auch alte Ponys und Esel sowie vier Freiberger Zuchtstuten mit ihren Fohlen. Die Heime sind immer voll und die Warteliste ist lang.

Le Roselet

Die älteste und bekannteste Station in Le Roselet liegt an der Hauptstrasse Les Breuleux?–?Les Emibois. Von der Restaurant-Sonnenterrasse aus sind der grosse Trockenplatz und das gesamte Weidland bequem zu überblicken. Darum heisst dieser Ort auch «Stätte der gesellschaftlichen Begegnungen». Ein asphaltiertes Strässchen lädt zum Spaziergang um die zehn Hektaren umfassende Koppel ein.

Le Jeanbrenin

Le Jeanbrenin ist ein kleiner Pass, auf den grünen Hügeln zwischen Sonnenberg und Pierre Pertuis gelegen, einst durch das steinerne Hotel de l’Ours markiert, heute durch das von ferne ans Emmental erinnernde Gebäude der Stiftung, das Stall, Scheune und Wohnung unter einem Dach vereint. Auf der Höhe von 1000 Metern haben sich im 18. Jahrhundert Anabaptisten, Wiedertäufer, angesiedelt, die in deutschsprachigen Gebieten verfolgt wurden. Die dicht und üppig bewaldeten Berghänge, an denen das Strässchen zwischen Corgémont und Tramelan hinauf- und hinabführt, gaben ihnen ein Gefühl des Sicher- und Geborgenseins. Ihr Lebens- und Wirkungsraum, die Wiesen auf der Höhe, lagen dem Himmel gegenüber. Dass diese nun alten Pferden als Altersweiden dienen, ist zu einem Symbol für die Philosophie der Stiftung geworden. Le Jeanbrenin, die «Station der stillen Poesie im Abseits», berührt durch seine Urtümlichkeit. Nirgends spürt man die Grösse der alten Tannen so unmittelbar wie hier, nirgends sind die Pferde so eindeutig Teil des Ganzen.

La Maison Rouge

La Maison Rouge wird der Klosterturm seit jeher genannt. Woher der Name stammt, ist nicht geklärt. Es war einst das Haus der Ursulinen, des Lehrordens, der die heilige Ursula zur Patronin hat. Die Ursulinen förderten seit dem 16. Jahrhundert die weibliche Jugend, indem sie erste Schulen für Mädchen gründeten und so einen entscheidenden Beitrag zur Verselbständigung der Frauen geleistet haben. Hier, aus­serhalb des Dorfes Les Bois, auf den weiten, zum Teil baumbestandenen, fast bewaldeten Wiesen finden Pferde wie Menschen Freiheit, Ruhe und Raum. Wanderwege führen durch die Weiden und laden ein zu Begegnungen mit den Tieren und der Natur. Auf den Weiden von Maison Rouge gibt es kaum Schranken zwischen Mensch und Pferd; hier ist nicht das Pferd Besucher in der Welt des Menschen, sondern der Mensch besucht die Pferde in der ihren. La Maison Rouge nennen wir auch «Station des weiten Himmels und der kosmischen Beziehung».

Ein grosser Freundeskreis

Jedes Pferd ist willkommen, sobald es 18 Jahre alt ist, kann der Besitzer es anmelden. Erlauben es die finanziellen Möglichkeiten, zahlt der ehemalige Eigentümer des Tieres 200 Franken pro Monat, wenn nicht, springen die über 30’000 Gönner und Freunde der Stiftung ein und bezahlen die Pension. Die Stiftung publiziert jedes Jahr im Frühling eine kleine Zeitung und im Herbst das Büchlein «Kleine Pferdegeschichten», in denen sie vom Leben ihrer Schützlinge erzählt. Es gibt auch die Möglichkeit, für ein Tier eine Patenschaft zu übernehmen. Zwei Restaurants, in Le Roselet und in Maison Rouge, bieten den Besuchern Erfrischungen und auf geführten Rundgängen erfahren sie mehr über die Stiftung.

Lebensfreude pur

Einige Tiere sehen mager aus, leiden unter Arthrose oder husten bei Anstrengung, doch allen ist anzusehen, wie sehr sie dieses Leben in Freiheit genies­sen. Sie zeigen den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern, dass ein Leben auch ohne «Aufgabe» lebenswert ist und dass die Beschwerden des Alters mit Gelassenheit und Würde tragbar sind. Wenn es zu schwer wird, werden die Tiere erlöst, an ihrem Wohnort und begleitet von ihrem vertrauten Pfleger.

Das Herdenleben

Jedes Pferd hat seine eigene Box, doch die meiste Zeit, sommers wie winters,  verbringt es draussen, mit den andern zusammen, auf der Weide oder auf gros­sen Ausläufen. Zu Beginn muss jeder Neuankömmling die Regeln des Zusammenlebens lernen. Begleitet von einem erfahrenen, älteren Pensionär wird der Neue behutsam in die Herde eingeführt. Schon bald schliesst er sich einem oder mehreren Kollegen an und enge Freundschaften entstehen. Falls er früher Schlimmes erleiden musste, hier kann er es nach und nach vergessen. Hier fühlt er sich in Sicherheit, hier darf er nur Pferd sein und in seiner eigenen Welt leben.

Ohne Halfter

Ein Halfter wird dem Pferd um den Kopf gelegt, damit der Mensch es im Umgang leichter einfangen, halten und führen kann. Auf unseren Weiden und in den Ställen leben die Tiere ohne dieses Zeichen ständiger Verfügbarkeit. Nur Neuankömmlinge tragen auf der Weide ein Halfter, damit ihnen beim Heimweg in ihre Box geholfen werden kann. Sobald sie den Weg von der Weide an ihren Platz im Stall kennen, genies­sen sie die halfterlose Freiheit.   

Quelle: Welt der Tiere

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Allgemeine Informationen

Auskünfte und Bestellungen:
Sekretariat Stiftung für das Pferd
Le Roselet
2345 Les Breuleux
Telefon 032 959 18 90 (man spricht deutsch und französisch)
Telefax 032 959 18 91
E-Mail: info@philippos.ch
www.philippos.ch
Postkonto 23-814-4
Das Sekretariat ist von
Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Führungen
Die Pferdeheime Le Roselet, Le Jeanbrenin und Maison Rouge sind das ganze Jahr über täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Unsere Pensionäre sind tagsüber auf den Weiden, nur im Hoch­sommer verbringen sie die Tage in den Ställen, um sich in der Kühle zu erholen.
Möchten Sie mehr über die Stiftung und die Pferde erfahren, können Sie eine Führung in einem der drei Heime reservieren; für Gruppen ab zehn Personen; Dauer rund eine Stunde; auf Voranmeldung bei unserem Sekretariat.

Kindernachmittage
An unseren Kindernachmittagen machen Kinder im Schulalter eingehende Bekanntschaft mit den Pferden, Ponys und Eseln. Sie besuchen die Pferde auf der Weide, bürsten die Ponys und Esel und erfahren vieles über ihr
Wesen. Ein Geschicklichkeitspar­cours beendet den Nachmittag, bei dem nicht Schnelligkeit oder Mut gefragt sind, sondern Einfühlungsvermögen. Die Kindernachmittage dauern von 14 bis etwa 16.30 Uhr; auf Voranmeldung, Kosten Fr. 5.– pro Kind.