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Hausfreunde und Störenfriede

Wildtiere haben den Siedlungsraum erobert, weil sie hier gute Lebensräume vorfinden. Verschiedene Tiere leben mit uns unter einem Dach. Manche sollen gefördert werden, bei anderen steht die Konfliktvermeidung im Vordergrund. Denn nur ein angenehmes Zusammenleben führt zu gutem Einvernehmen, weckt die Neugier nach den oft heimlichen Mitbewohnern und regt zum Beobachten an.

Wildtiere erobern den Siedlungsraum

Ein Haus besteht aus verschiedenen Bauteilen, welche von verschiedenen Tieren als «Wohnung» angenommen werden: Dach, Dachvorsprünge, Dachboden, Fassaden, Fenster, Balkone und Terrassen, offene Innenräume, Durchfahrten, weit ausragende Gebäudeteile und Keller. Auch die direkte Umgebung des Hauses können wir als «Bauteil» betrachten.

Das Haus bietet Schutz
In einem Haus suchen wir Menschen Schutz vor schlechtem Wetter, vor «bösen» Tieren, vor ungeliebten Menschen und einen Platz zum Schlafen und Erholen. Gleichzeitig finden in einem Haus Essen, Trinken, soziale Kontakte, gemeinschaftliche Geborgenheit, Liebesspiele oder ruhige Stunden ganz alleine statt. Auch Tiere suchen in diesen künstlichen Höhlen und Felswänden Hohlräume, Nischen, Spalten und andere Strukturen, die ihnen Schutz vor Wetter und Feinden bieten, das Nisten und Schlafen erlauben oder Nahrung liefern. Einige Tiere nutzen nur bestimmte Teile eines Hauses, andere sind weniger wählerisch. Mobile Arten erreichen auch höher gelegene Gebäudeteile, während bodenlebende Arten in den untersten Stockwerken bleiben.

Leben in künstlichen Felslandschaften und vielfältigen Gärten
In den Innenstädten stehen zahlreiche Gebäude nahe beisammen; Fassaden und Strassen wirken wie künstliche Felswände und Felsschluchten. Dörfer und Siedlungsränder hingegen sind von Wiesen, Feldern und anderem Grünland umgeben. In manchen Quartieren in der Stadt finden wir künstliche Felswände und Grünland in Kombination: Häuserblöcke mit steinernen oder hölzernen Fassaden und Nischen, umgeben von kleinstrukturierten Gärten – ein Paradies für viele Tierarten. Die Vielfalt verschiedener Gebäude und Gartenanlagen macht die Stadt für viele Tiere zu einem begehrten Ort. Nahrung und Schutz, Balzplätze und Aufzuchtnischen liegen sehr nahe beieinander. Gärten bieten Leckerbissen auf den Gemüsebeeten, im Kompost, an den Wildsträuchern und Bäumen; Schatten- und Sonnenplätze werden angeboten.

Wie im Schlaraffenland
Hinzu kommt: Wo viele Menschen sind, wird keine Jagd betrieben und (meist) weniger Gift ausgelegt. Und nirgends überlassen Menschen den Wildtieren ganzjährig mehr Nahrung als in Siedlungen und Städten: Abfalleimer, Abfallsäcke, weggeworfene Speisereste, Fallobst, Komposthaufen, ja sogar spezielles Futter für Vögel oder Igel. Diejenigen Tiere, welche die Scheu vor den Menschen verloren haben, finden in der Stadt ihr Schlaraffenland. Längst ist in Städten die Artenvielfalt höher als in intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen. Die «naturfeindliche Stadt» ist ein Irrtum.

Ein Herz für Tiere: Handeln Sie jetzt!
In jüngerer Zeit verschlechtert sich der Lebensraum Siedlung für einige unserer tierischen Mitbewohner, insbesondere für gebäudebewohnende Tierarten. Der Einsatz von Glas und anderen glatten Materialien in der modernen Architektur, die wärmetechnischen Sanierungen mit dicht geschlossener Dämmung der Dächer und Fassaden, der Ausbau von Dachböden und Kellern zu Wohnräumen riegelt die Gebäude für die wildlebenden Tiere ab. Glücklicherweise zeigen immer mehr Menschen ein Herz für Tiere und setzen gezielte Fördermassnahmen für nützliche und attraktive Tiere um. Dabei gilt es, ein paar Grundsätze zu beachten:

  • Sanierungen erfolgen mit Vorteil aus­serhalb der Fortpflanzungssaison, damit die Tiere keine Saison auslassen müssen und die Nischen sofort wieder benutzen können. Bei grossen Sanierungsprojekten ist deshalb eine Staffelung sinnvoll.
  • Erhalten bietet die beste Garantie, dass die Tiere nach der Sanierung noch da sind oder wieder kommen.
  • Wenn das Erhalten nicht möglich, werden möglichst an der gleichen Stelle wieder Einschlupföffnungen und Nistmöglichkeiten angebracht.
  • Bei Neubauten können neue Ansiedlungsmöglichkeiten geschaffen werden, wobei konfliktfreie Bereiche gewählt und Fallen vermieden werden.
  • Nischen für Tiere an Gebäuden sind bei guter Planung meist unspektakulär und mit wenig Geld und Aufwand zu erreichen. Der Gewinn durch das Naturerlebnis direkt vor dem Fenster oder der Haustüre ist dafür umso grösser. Beratung und Baubegleitung durch Fachleute sind zu empfehlen.

Dach und Dachvorsprünge

  • Mauersegler
  • Wespennester

Mauersegler brüten am liebsten in Traufkästen, Unter- oder Zwischen­dächern und benutzen sie während vieler Jahre immer wieder. Mauer­segler sammeln in der Luft Fasern, Grashalme, Haare, Spinnweben oder Ähnliches als Nistmaterial. Auch essen, trinken, kopulieren und schlafen die Mauersegler in der Luft, einzig zum Brüten brauchen sie einen festen Untergrund.

Wespennester finden wir oft im Zwischendach unter Ziegeln oder unter Dachvorsprüngen. Wespen sind friedliebend und für den Menschen weitgehend harmlos. Einzig die Deutsche und Gemeine Wespe trinken Süssgetränke und stibitzen Fleischstückchen für ihre Brut. Sie können am Gartentisch ganz schön lästig werden. Wespennester sollten nur an ungünstigen Stellen im Eingangsbereich oder bei Kinderspielplätzen entfernt werden. Im Dachbereich stören Wespennester keineswegs.


Dachboden/Estrich

  • Mausohren
  • Siebenschläfer

Grosse Mausohren gehören zu den grössten, mitteleuropäischen Fledermausarten. Weibchen bringen ihre Jungen in grossen Kolonien mit hundert oder mehr Tieren auf Dachböden zur Welt. Ihr trockener Kot kann eingesammelt und als vorzüglicher «Bio-Dünger» für Blumenkistchen oder Blumenbeete eingesetzt werden.

Siebenschläfer sorgen für Ärger und schlaflose Nächte, wenn sie während der
Balz auf dem Dachboden oder im Zwischendach herumtollen und nachts so manch ungewohntes Geräusch machen. Ihre ausgesprochene Kletterfähigkeit
fasziniert ebenso wie die herzigen Kulleraugen.


Fassaden

  • Fledermaus
  • Mauerspinnen

Mückenfledermäuse und Zwergfledermäuse sind die kleinsten Fledermäuse Europas. Kaum daumengross, verkriechen sie sich am liebsten in enge, dunkle Spalten an Fassaden, hinter Wandverschalungen oder im Zwischendach. In einer einzigen Nacht frisst eine einzige Mückenfledermaus bis zu 5000 Mücken und erweist sich damit als sehr nützlich.

Mauerspinnen legen kreisrunde Spinnennetze bevorzugt an beleuchtete, helle
Stellen unter Vordächern. Leider klebt allerlei Staub, Dreck und Kleinstgetier an den Spinnweben, wodurch die Netze sichtbar werden – und unser Sauberkeitsempfinden stören. Die Mauerspinnen dagegen sehen wir kaum.


Fenster/Balkone

  • Marienkäfer
  • Hausspatzen

Marienkäfer gelten als Glücksbringer und kommen selbst an Balkonblumen vor.
Im Winter machen insbesondere Asiatische Marienkäfer an Fensterrahmen im Dachstock grössere Ansammlungen, um gemeinsam zu überwintern. Marienkäfer werden in der biologischen Schädlingsbekämpfung zur Eindämmung von Blatt­lausplagen eingesetzt.

Hausspatzen singen nicht schön, sie sehen nicht besonders attraktiv aus und
hinterlassen stellenweise viel Kot. Deshalb sind sie als Untermieter nicht sehr beliebt. Dennoch sind sie sehr interessant anzusehen, wenn sie im Schwarm am Boden und in Gebüschen unterwegs sind. Bei ihnen läuft immer etwas. Und über ihr Liebesleben weiss kaum jemand etwas, da sie immer heimlich in Nischen brüten und sich nicht ins Nest schauen lassen.


Offene Innenräume

  • Mehlschwalben
  • Zitterspinnen

Mehlschwalben sind Frühlingsboten. Ihr napfförmiges Nest aus Lehm kleben sie unter Vordächer, Balkone oder Durchfahrten an die Fassade. Die Öffnung ist genau so klein, dass eine Mehlschwalbe noch ein- und ausfliegen kann, die Brut aber vor Feinden sicher ist. Vogelfreunde helfen ihnen bei fehlenden Pfützen mit künstlichen Nestern oder offenen Schalen mit nassem Lehm, damit die Schwalben trotzdem nisten können.

Zitterspinnen sind äusserst grazile Spinnen. Ihr Netz besteht aus feinen Spinnfäden. Bei Gefahr beginnen sie, mit dem Körper ganz nervös zu zittern, sodass sie fast unsichtbar werden. In Innenräumen fallen ihre Nester oft dem Staubwedel zum Opfer.


Keller

  • Erdkröte
  • Wanderratte

Erdkröten sehen wir vor allem im Frühling während ihrer Wanderung zu Gewässern, wo sie lange Laichschnüre an ufernahe Wasserpflanzen spannen. In Weinkellern, Naturkellern oder Hauskellern mit Naturboden können sie überwintern, falls ein Zugang besteht und geeignete Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sind.

Wanderratten gehören zu den wenigen, weltweit verbreiteten Tierarten. Sie sind sehr anpassungsfähig. Obwohl sie in der Nähe des Menschen leben, bekommen wir sie kaum einmal zu Gesicht. Im Mittelalter galt die Wanderratte als Überträger vieler, tödlicher Krankheiten. Nicht zuletzt deshalb ekeln sich auch heute noch die meisten Menschen vor Ratten.


Garten

  • Igel
  • Fuchs

Igel gelten trotz ihrer mehreren Tausend Stacheln – oder wegen diesen? – als
sympathische Gartenbewohner. Ihre Vorliebe für Schnecken stimmt allerdings nicht. Schnecken machen einen eher kleinen Teil ihrer Beute aus; sie fressen auch Maden, Raupen, Insekten, Würmer, Fallobst und Pflanzen. Igelfreunde bauen Igelhäuser oder schichten Asthaufen auf.

Füchse gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt, wobei sich Stadtfüchse anders verhalten als Landfüchse. Stadtfüchse hausen in Lagerschuppen, in Friedhöfen oder unter Gartenhäuschen und ernähren sich von Speise­resten, Komposthaufen, Abfällen oder Wanderratten. Stehlen sie Schuhe, wühlen das Gemüsebeet um, markieren den Gartensitzplatz mit Kot oder dringen sogar in Wohnungen ein, werden sie zum Ärgernis.


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