Grosser oder kleiner Hund kaufen – eine Entscheidungshilfe

Grosser oder kleiner Hund – eine Entscheidungshilfe

Hunde leben eng mit ihren Menschen zusammen und sind genauso wie die Zweibeiner von den aktuellen Lebensumständen betroffen. Diese können sich heute wesentlich schneller verändern, als dies noch vor zwei, drei Jahrzehnten der Fall war. Ansprüche, die an die Menschen gestellt werden, haben einen direkten Einfluss auf die Wahl des vierbeinigen Begleiters.

Den Bedürfnissen des Hundes Rechnung tragen können

Der Hund hat heute einen hohen Stellenwert, lebt meist als vollwertiges Familienmitglied und soll entsprechend in die Alltags- und Freizeitaktivitäten eingebunden werden. Man möchte mit ihm viel unternehmen, ihn dabeihaben und sich auch materiell etwas für ihn leisten können. Die Erwartungen an eine gesunde Hundekost sind ebenso gestiegen. All diese Ansprüche haben ihren Preis. Und da macht es schon einen Unterschied, ob es sich beim Hund um einen 3-Kilogramm-Kleinhund oder um einen 70-Kilogramm-Riesen handelt.

Ernährung und die alltäglichen Utensilien sind nur das eine. Für einen ausgewachsenen Kleinhund hat die Transportbox locker in einem Smart Platz. Bei einer Dogge wäre dann der ganze Smart die Transportbox.

Nicht nur die Kosten sind entscheidend

Auch wenn wir das Materielle mal beiseitelassen, so haben die Körpermasse Einfluss auf unser Zusammenleben mit dem Hund. Beispiel Ferien. Sie möchten sich und Ihrem Vierbeiner ein paar Tage Entspannung gönnen und fragen im Hotel oder beim Vermieter der Ferienwohnung an, ob Hunde erlaubt sind. Wenn kein kategorisches Nein kommt, dann folgt ganz sicher die Frage: «Was ist es denn für einer?» Abgesehen von den Vorlieben der Kontaktperson spielt die Grösse eine nicht unwesentliche Rolle. Die meisten denken: kleiner Hund, kein Problem, grosser Hund, grosse Probleme. Doch das muss selbstverständlich überhaupt nicht so sein.

Kompaktklasse kleiner Hund – was für ihn spricht

Das Wort «kompakt» hat in den vergangenen Jahren in unserem Wortschatz Einzug gehalten. Wir fahren Kompaktwagen, waschen mit Kompaktwaschmitteln und möchten kompakt informiert werden. Und so wünschen sich viele eine Art Kompakthund. Alles in einem: Hund in handlichem Format, platzsparend und «sparsam im Verbrauch».

Dieses Bedürfnis hat auch mit dem Verlangen nach Flexibilität und Mobilität zu tun. Wir möchten den Hund überallhin mitnehmen können. Liegt ein kleiner Hund auf seinem mitgebrachten Deckchen neben uns im Restaurant, wird er wahrscheinlich ausser mit einem «Jö» oder einem Lächeln nicht viel beachtet. Auch wenn er sich nach dem Aufstehen schüttelt, entgeht das wohl der Aufmerksamkeit der meisten Restaurantbesucher. Schüttelt sich ein stattlicher Berner Sennenhund oder erlaubt sich dieser sogar, zu bellen, dann kann man sich der öffentlichen, eher negativ behafteten, Aufmerksamkeit ziemlich sicher sein.

Vieles ist umständlicher mit einem grossen Hund. Und dennoch lassen sich die Liebhaber grosser Hunde selten davon beeinflussen. Manche meinen sogar, nur grosse Hunde seien richtige Hunde. Das ist natürlich Unsinn. Vorausgesetzt, man behandelt die kleinen Schnuckel auch wirklich wie Hunde und nicht wie hübsche Accessoires.

Kleinere Hunde liegen im Trend

Die Tendenz zeigt seit einer Weile klar in Richtung kleine und mittelgrosse Hunde, so bis ca. 25 Kilogramm. Ein solches Gewicht kann man mit Anstrengung und einem gesunden Rücken noch eine kurze Strecke tragen. Ist der Hund verletzt oder krank und muss man ihn ins Auto heben, dann spürt man den Unterschied zwischen 10 und 20 Kilogramm sehr deutlich.

Ein weiterer Faktor ist die verschärfte Gesetzgebung und das öffentliche Auge auf das Verhalten der Vierbeiner. Man kann sich heute schlichtweg viel weniger bis gar nichts mehr leisten, was Konflikte angeht. Das Knurren eines kleinen Hundes wird anders wahrgenommen und bewertet als das eines grossen. Die Angst vor unschönen Reaktionen und Konsequenzen sitzt vielen Haltern von grösseren und grossen Hunden im Nacken.

Der Niedlichkeitsbonus: Kleine Hunde punkten bei uns eher

Ich persönlich erlebe den Grössenunterschied meiner eigenen Hunde im Umgang mit ihnen auch. Obwohl ich von den beiden Kleinen (Chihuahuas) das genau Gleiche verlange wie von der Grossen (Malinois), so spüre ich doch eine leicht andere Erwartungshaltung. Wenn ich mich ertappe, wie sich meine Stimme noch etwas mehr hebt, wenn ich die Kleinen zum Beispiel fürs schnelle Zurücksprinten zu mir lobe, dann kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Von einem grossen Hund erwartet man, dass er gut auf die Signale reagiert. Bei den Kleinen empfindet man es oft noch als «Wow-Bonus».

Die Reaktionen bei Begegnungen sind immer wieder spannend. Bin ich mit all meinen Hunden unterwegs, sprechen mich die Leute eher an. Da kommt dann schon mal die Frage: «Oh, verstehen sich die?» Natürlich hat in der realen Hundewelt die Grösse nichts mit den Umgangsformen untereinander zu tun. In den Köpfen der Menschen sieht das anders aus. Manchmal kommt es mir vor, als würden die Chihuahuas als visueller Weichspüler für den Malinois fungieren. Im Stil von «der Grosse lässt die Kleinen leben, folglich ist er nett». Dass ein grosser Hund auch ein Riesenherz haben kann, das muss er gegen aussen offenbar immer zuerst beweisen.

Fazit: Kleinere Hunde sind durchaus praktisch, dürfen aber auf keinen Fall unterschätzt werden!

Menschen mit grösseren und grossen Hunden fallen eher auf, ziehen die Blicke, Vorurteile und Kommentare auf sich. Das heisst, sie müssen nicht nur lernen, mit ihren Hunden umzugehen, sondern auch mit den Reaktionen der Umwelt. Und sie müssen sich logistisch und kostenmässig anders einstellen. Doch wer denkt, dass sich kleine Hunde von selbst erziehen oder – um Himmels Willen! – keine Erziehung brauchen, wer zudem denkt, dass nur grosse Hunde Auslauf und Beschäftigung brauchen und nicht auch kleine Hunde grosse Tierarztrechnungen verursachen können, der sollte diese utopischen Vorstellungen nicht nur überdenken, sondern komplett über den Haufen werfen.

Klein ist sicherlich handlicher und generiert mehr Sympathien. Aber schlussendlich entscheidet unser Herz, unsere Verantwortung für den Vierbeiner und die Bereitschaft, für seine hundlichen, rassespezifischen und charakteristischen Bedürfnisse da zu sein. Ob gross oder klein, jeder hat ein Recht, ein ganzer Hund zu sein.