die ersten tage eines hundes im neuen zuhause

Ihr Hund zieht ein – Ankunft und die ersten Tage im neuen Zuhause

Sie haben sich die Anschaffung eines Hundes reiflich überlegt, alle notwendigen Abklärungen getroffen, den passenden Vierbeiner sorgfältig ausgewählt und das Zuhause für den neuen Bewohner optimal vorbereitet. Bekommen Sie einen Welpen, hat dieser nun mindestens die 12. bis 14. Lebenswoche erreicht. Dann kann es jetzt also losgehen.

Idealerweise haben Sie sich für die nächsten Tage frei genommen oder Ihren Alltag so organisiert, dass Sie sich viel Zeit für den Familienzuwachs nehmen können. Denn der Aufbau einer vertrauensvollen Bindung des Hundes zu Ihnen ist das A und O für ein glückliches Hundeleben und eine entspannte Hund-Mensch-Beziehung.

Der Hund wird abgeholt

Endlich ist der grosse Tag da, an dem Sie Ihren Hund nach Hause holen können. Falls Sie ein bisschen aufgeregt sind, sollten Sie vor der Abfahrt eine Liste mit allfälligen Fragen machen, die Sie dem Züchter oder Betreuer des Hundes noch stellen möchten, damit diese später bei der Übergabe nicht vergessen gehen.

Das beste Transportmittel, um den Hund abzuholen, ist sicherlich das Auto. Wenn möglich, organisieren Sie jemanden, der Sie fährt, damit Sie sich während der Rückfahrt um den Vierbeiner kümmern und ihm körperliche Nähe geben können. Packen Sie für die Fahrt Küchen- oder Handtücher ein, um bei Reisekrankheit des Hundes ein allfälliges Malheur beseitigen zu können. Sollten Sie Ihren Hund im Sommer übernehmen, planen Sie die Fahrt so, dass Sie nicht in der grössten Mittagshitze unterwegs sind.
Die Übernahme eines Welpen Die Übernahme eines Welpen stellt für diesen eine Ausnahmesituation dar. Stammt er aus einer seriösen, liebevollen Aufzucht, wird er seine vertraute Umgebung, vor allem aber seine Familie, also die Mutter und andere verwandte Tiere, Geschwister sowie die menschliche Bezugsperson vermissen. Diesem Umstand gilt es, in den ersten Stunden und Tagen besonders Rechnung zu tragen und dem Welpen die Nähe und Sicherheit zu geben, die er jetzt dringend braucht.

Welpen lernen in erster Linie vom Rudel

Welpen lernen innerhalb der Hundefamilie, die ihr Rudel darstellt, in den ersten Wochen sehr viel von ihren Vorbildern, so zum Beispiel die Beisshemmung. Auch der Grundstein dafür, wie gesellig sich ein Hund im Umgang mit Artgenossen zeigt, wird vorwiegend im eigenen Rudel gelegt.

Übernahme erst ab 12 bis 14 Wochen

Neue vergleichende, wissenschaftliche Verhaltensstudien an Haushunden zeigen klar, dass die Übernahme eines Welpen aus vorbildlicher Zucht frühestens im Alter von etwa 12 bis 13 Wochen sinnvoll ist, da sich Hundewelpen erst ab etwa 14 Wochen an eine andere Art, also den Menschen, binden können.

Die ersten Tage des Welpen im neuen Zuhause

Das Ziel für die erste Zeit ist klar: Ruhe geben, Vertrauen aufbauen und die Bindung zwischen dem Hundekind und seinen neuen Menschen fördern. Dazu gehört, dass zumindest in der ersten Woche dem Welpen kein Besuch zugemutet wird. Er soll sich zuerst mit der noch fremden Umgebung und Familie vertraut machen können, bevor weitere neue Menschen und Eindrücke auf ihn zukommen.

ein welpe zieht in sein neues zuhause

Das erste Versäubern

Nach der Fahrt vom Züchter ins neue, welpensichere Heim zeigt man dem kleinen Hund zuerst den Ort, an dem er sich lösen kann. Dies kann der Garten oder die Wiese vor dem Haus sein. Gelingt dies bereits erfolgreich, wird er dafür direkt gelobt.

Ankommen lassen, Wohnung/Haus kennenlernen

Gemeinsam mit dem Welpen erkunden Sie nun langsam sein neues Zuhause. Zeigen Sie ihm, wo Wasser- und Futternapf stehen und wo sich sein Bettchen befindet, auf welches Sie eine mitgebrachte Decke vom Züchter mit dem vertrauten Geruch legen. Ist die Wohnung oder das Haus sehr gross, kann es sinnvoll sein, mit nur einem oder wenigen Räumen zu beginnen und den Bewegungsradius des Welpen schrittweise über die nächsten Tage zu erweitern.

Während Ihr Welpe seine Umgebung in Augenschein nimmt, können Sie sich zu ihm auf den Boden setzen und ihm dadurch Sicherheit geben. Macht der Welpe einen entspannten Eindruck, ist das der richtige Zeitpunkt für die erste Mahlzeit.

Stress abbauen mit Kaugegenständen

Die mit der Übernahme verbundene Ausnahmesituation führt beim Welpen zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Cortisol und Aldesteron. Um den Abbau dieser Hormone zu fördern, sollten Kaugegenstände für den Welpen immer erreichbar und verfügbar sein. Dazu eignen sich vor allem Kauartikel aus dem Fachhandel, wie zum Beispiel getrocknete Rinderstreifen, Huf, Ziemer, geräucherter Pansen etc. Da sich die Stresshormone auch auf die Magensäfte auswirken, reicht es nicht aus, wenn nur Spielzeug (keine Quietschies!) angeboten wird.

Genügend Ruhe und der richtige Schlafplatz

Welpen haben ein grosses Schlafbedürfnis. Schaffen Sie Ruhephasen, indem Sie selbst und Ihre Familie sich zum Beispiel für eine Weile hinsetzen. Der Welpe wird sich dann ebenfalls einen Platz zum Hinlegen suchen. Manche mögen den Kontakt zum neuen Menschen, andere verziehen sich lieber in einen geschützten Bereich. Lassen Sie dem Hund hierbei die Wahl. Vielleicht müssen Sie das Hundebett an einen von ihm bevorzugten Ort verschieben.

Welpen nachts nicht alleine lassen

Welpen, aber auch erwachsene Neuankömmlinge, sollten in den ersten Tagen nachts auf keinen Fall allein gelassen werden. Hunde sind keine Einzelgänger und dem Welpen, der von einem Moment auf den anderen ohne seine Hundefamilie dasteht, muss ein Ersatz geboten werden. Er braucht die Nähe und den Körperkontakt zu Ihnen, wird ihm dies vorenthalten, kann das für ihn traumatisch sein. Für einen guten Beziehungsaufbau wäre dies alles andere als förderlich. Der kleine Hund soll sich mit und bei Ihnen aufhalten können, so dass er in der Anfangszeit nie alleine bleiben muss.

Möchten Sie nicht, dass der Hund bei Ihnen im Schlafzimmer übernachtet, dann schlagen Sie Ihr Nachtlager für eine Weile bei seinem Schlafplatz auf. So oder so vermitteln Sie Ihrem Welpen dadurch die nötige Sicherheit und merken darüber hinaus auch rechtzeitig, wenn der Zwerg mal raus muss. Die Grundbedürfnisse müssen von Anfang an erfüllt werden, damit Vertrauen wachsen kann.

Langsam einleben lassen

Bleiben Sie in den ersten ein bis zwei Wochen mit dem Welpen in Haus und Garten, resp. in der Wohnung und vor dem Wohnhaus. Das Kennenlernen von Neuem beschränkt sich idealerweise auf die Personen und Tiere, welche im Haushalt leben, und vor allem auf die Bezugsperson sowie die räumlichen Gegebenheiten. Je ruhiger und strukturierter der Tag für den kleinen Welpen verläuft, desto schneller findet er sich im neuen Leben zurecht. Die nächsten Wochen werden fürs weitere Zusammenleben ausschlaggebend sein. Bindung entsteht durch Vertrauen und Zutrauen. Einander kennenzulernen setzt gemeinsam verbrachte Zeit voraus.

Reizüberflutung vermeiden

Hunde brauchen Zeit, um neue Eindrücke zu verarbeiten. Je mehr Reize auf den kleinen Hund einprasseln, desto instabiler wird sein Nervenkostüm und desto unsicherer sein späteres Verhalten.

Kommunikation zwischen Hund und Mensch

Hunde verständigen sich mittels Mimik, Körpersprache, Lautäusserungen und über Gerüche miteinander. Sie versuchen, sich in ihrer Sprache auch mit uns Menschen auszutauschen. Wir tun umgekehrt dasselbe. Was nun wie und wo verstanden und umgesetzt wird, liegt an unserer Fähigkeit zur Kommunikation. Als Halter müssen wir die Hundesprache lernen, zuhören und uns bemühen, richtig Antwort zu geben. Unsere Sprache mit dem Hund ist ruhig, leise, stimmlich stimmig mit der Aussage und wir machen uns gewaltfrei und konsequent verständlich.

Der Welpe ausser Haus

Nachdem sich der Welpe an die Räumlichkeiten und die direkte Umgebung des neuen Zuhauses gewöhnt hat, kann die Entdeckungsreise weitergehen.

Die ersten Spaziergänge

Leine und Brustgeschirr müssen behutsam zu Hause angewöhnt werden. Gehen Sie zu Beginn, also nach der oben erwähnten Eingewöhnungsphase von etwa 14 Tagen, ein paar Schritte weiter, aber immer vom Zuhause ausgehend, am selben Ort und in langsamem Schritt. Lassen Sie Ihren Hund schnüffeln und wahrnehmen, seien Sie präsent und beschützen Sie ihn bei Bedarf. Es kann sein, dass der Welpe nicht weitergehen möchte. Dann bleiben Sie einen Moment stehen und gehen dann wieder gemeinsam zurück. Es wird jeden Tag ein paar Schritte weitergehen, wenn der Welpe die Zeit bekommt und das Vertrauen in Sie stärker wird. Denken Sie daran: Mit seiner Mutter/Familie würde der Welpe überall hingehen, das liegt in seiner Natur. Wir Menschen müssen jedoch zuerst beweisen, dass wir die Fähigkeit zum Behüten und souveräner Führung haben.

Den Umgang mit anderen Hunden lernen

Eine wichtige Information vorneweg: Einen sogenannten Welpenschutz gibt es nicht! Zumindest nicht ausserhalb der Geburtsfamilie. Seien Sie deshalb bei Begegnungen mit anderen Hunden vorsichtig und wachsam. Von Vorteil ist es, wenn man in der Nachbarschaft einen netten Hund kennt. Ist er freundlich mit Welpen und bereits erwachsen, kann diese Begegnung sehr viel Gutes bewirken. Denken Sie daran: Hunde müssen ihre Sprachsignale einsetzen lernen. Dies können sie am besten, wenn sie sich erst mal mit einem fremden erwachsenen Hund unterhalten. Statt sich mit fünf neuen Welpen, die alle anders sprechen, arrangieren zu müssen und auch noch Sprachsignale in fünf Richtungen angemessen zu senden und zu empfangen, kann sich der Welpe so besser konzentrieren. Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit fünf oder mehr fremden Leuten gleichzeitig sinnvoll und freundlich kommunizieren. Selbst als Erwachsener dürfte Ihnen das schwerfallen.

Spielen in der Welpengruppe

Hunde können nur dann spielen, wenn sie entspannt und gelöst sind. Wer angespannt und überfordert in eine Welpengruppe kommt, kann diese Erfahrung oftmals nur negativ abspeichern. Das Spiel mit anderen Hunden kann, wenn gut gewählt, sinnvolle Verknüpfungen hinterlassen. Ansonsten sind spätere Verhaltensprobleme nach dem Besuch von schlecht geführten und ungünstig zusammengestellten Welpengruppen vorprogrammiert.

Spazierdauer für junge Hunde

Grundsätzlich gilt: Lebensalter in Wochen = Anzahl Gehminuten. Wenn Ihr Welpe also z.B. 13 Wochen alt ist, dauert der Spaziergang 13 Minuten.

Nicht alles in den ersten Monaten erleben lassen

Schon der Gedanke ist absurd! Wie will man einem Baby-Hund beibringen, was alles in seinem Leben eventuell mal vorkommen wird? Es hat sich gezeigt, dass diese «Vorarbeit» (Bahn fahren, Einkaufszentrum, Bahnhof, Menschenansammlungen etc. in den ersten Wochen) sich negativ aufs spätere Verhalten auswirkt. Wer einen Welpen übernimmt, hat mit der Züchterauswahl die erste wichtige Entscheidung getroffen, wie der Welpe als erwachsener Hund werden kann. Die Aufgabe als neuer Hundehalter besteht darin, Vertrauen zu schaffen und Vorbild zu sein.

Alltag leben

Am besten ist es, den Alltag nach der Eingewöhnungszeit so zu leben, wie er künftig sein wird. Muss der Welpe z.B. mit ins Büro, dann ist der Arbeitsweg per Auto oder ÖV eben der normale Alltag. Wohnt man auf dem Land, dann gehören weidende Kühe, Traktoren, Güllefelder, Wald und Feld zum Alltag. Wenn das Vertrauen des Hundes in die Bezugsperson da ist, dann fährt auch ein Land-Hund mal mit dem Besitzer problemlos in einer Seilbahn oder im Tram mit, wenn es denn sein muss. Und wenn der Stadt-Hund mal an einer Kuhherde vorbeigehen muss, wird er sich am Verhalten seines Menschen orientieren und ruhig mitlaufen.

Angstphasen mit Verständnis begegnen

Hunde durchleben Angstphasen, die behutsam angegangen werden müssen. In diesen Zeiten gilt: Weniger ist mehr, Ruhe und Geborgenheit geben, Kauartikel zum Stressabbau anbieten. Folgende solcher Phasen sind bekannt: Im Alter von 8–9 Wochen (sollten Hundewelpen sowieso nie übernommen werden!), mit 4–5 Monaten, 9–10 Monaten, 13–14 Monaten (Hormonumstellung) und im Alter von 16–20 Monaten.

Die Übernahme eines erwachsenen Hundes

Auch bei erwachsenen Hunden gilt es, dem Neuankömmling viel Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. In Ruhe die neue Umgebung und Familie kennenzulernen steht an erster Stelle. Auf die Vorgeschichte des «Secondhand»-Hundes ist dabei Rücksicht zu nehmen, vermeiden Sie es aber, eine allfällig schwierige Vergangenheit nun mit besonders viel Freiheiten für den Hund wettmachen zu wollen. Konsequente Regeln und klare Strukturen hingegen bieten dem Hund Orientierungshilfe und Sicherheit.