gassi gehen mit mehreren hunden

Mehrhundehaltung

Die Mehrhundehaltung hat in den vergangenen Jahren Aufschwung erhalten. Das freut einerseits die Hunde, weil sie im Alltag mit ihresgleichen spielen und interagieren können. Auch für den Menschen können zwei oder mehrere Hunde eine Bereicherung sein, stellen ihn jedoch auch vor Herausforderungen, die es mit nur einem Vierbeiner nicht gibt.

«Ich gehe ja sowieso spazieren, ob nun mit einem oder mit mehreren Hunden, das spielt doch keine Rolle.» Ein oft gehörtes Argument, das der Praxis nicht standhält. Hunde können unter sich eine starke Gruppendynamik entwickeln. Vieles ist mit den Artgenossen einfach aufregender, zum Beispiel jagen oder einem anderen Hund die Leviten lesen. Die Herausforderung für den Halter ist gleich doppelt, denn zum einen ist man mit mehreren Individuen unterwegs, gleichzeitig hat man die Hunde als Gruppe zu führen.

Spaziergang ist nicht gleich Spaziergang

Einen gedankenversunkenen Spaziergang kann man mit mehreren Hunden vergessen, die Aufmerksamkeit des Menschen ist von der ersten bis zur letzten Minute gefordert. Denn während der eine Hund etwas weiter hinten an einem Grasbüschel schnüffelt, buddelt der nächste nach Mäusen und der andere sichtet einen Hund, der entgegenkommt. Das bedeutet für unsere Augen und unsere Konzentration viel Arbeit. Getrennte Spaziergänge sind manchmal nötig. Bei der Ankunft eines neuen Vierbeiners zum Beispiel oder wenn die Bedürfnisse der Hunde zu verschieden sind. Ein alter Hund geniesst die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Besitzers und braucht diese oft auch.

Individuelle Erziehung gefragt

Die Erziehung findet grundsätzlich immer individuell statt. Es ist wie bei einem Orchester. Der einzelne Spieler muss sein Instrument beherrschen, bevor er in das Orchester eingebunden wird. Sonst bringt er das eingespielte Gefüge durcheinander. Ein Muss ohne Wenn und Aber ist der gut verankerte Rückruf jedes einzelnen Hundes. Auch das Warten gehört zum Fundament. Die ganze Gruppe muss zuverlässig warten können. Auch bei Ablenkung. Training auf dem Spaziergang und im Alltag gehört entsprechend zur Tagesordnung. Denn der Stress ist vorprogrammiert, wenn plötzlich die ganze Hundegruppe auf einen anderen Hund oder Menschen zustürmt. Verständlich und berechtigt ist der Ärger von Unbeteiligten, wenn mehrere Hunde ungehalten drauflosrennen. Man darf davon ausgehen, ja sogar erwarten, dass Menschen, die mehrere Hunde halten, sich der grossen Verantwortung bewusst sind.

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Viel Gespür bei der Gruppenzusammensetzung

Das Zusammenführen von Hunden braucht ein gutes Auge und viel Gespür. Vor allem bei erwachsenen Hunden, denn jeder der Vierbeiner bringt seinen eigenen Rucksack mit Erfahrungen, Vorlieben und Abneigungen mit. Das erste Kennenlernen mit dem potentiellen Zweithund muss auf neutralem Boden, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Spaziergang, stattfinden. Bei Welpen ist zu beachten, dass grosse Hunde den knuffigen Neuzuwachs nicht immer mit so viel Enthusiasmus empfangen, wie dies die Menschen tun. Aus anfänglichem Gezicke kann mit der Zeit eine enge Hundefreundschaft entstehen.

Mehr Hunde, heisst mehr Führung

Der Mensch muss allerdings seine Rolle als regulierender und lenkender Part wahrnehmen. Es soll kein Hund in der Gruppe unter die Räder kommen. Je nach Konstellation in der Gruppe und abhängig von den einzelnen Charakteren ist bei Ressourcen wie herumliegenden Spielzeugen oder Kausachen Vorsicht geboten. Da kann es schnell zu Reibereien kommen, auch wenn sich die Hunde grundsätzlich gut verstehen. Wichtig ist, dass die Hunde lernen, miteinander zu kommunizieren und einander zu respektieren. Ein Jungspund zum Beispiel muss lernen, dass er die älteren Kollegen auch mal in Ruhe lassen soll. Hat der alteingesessene Vierbeiner Mühe, sich durchzusetzen, dann muss der Mensch eingreifen.

Struktur erleichtert das Zusammenleben

Einen gewissen Sinn für Ordnung und Struktur sollte man mitbringen, wenn man mit mehreren Hunden zusammenlebt, sonst wird der Alltag bald zum Chaos. Rituale helfen, Ruhe in die Gruppe zu bringen, zu Hause und auf dem Spaziergang. Man sollte sich zum Beispiel die Frage stellen, wo sich die Hunde an der Leine positionieren sollen. Zwei rechts, einer links? Wer neben wem? Mit zwei Händen mehrere Leinen geordnet zu halten, das ist nicht immer einfach. Die Hunde brauchen Klarheit seitens des Menschen, um nicht gestresst zu sein. Auch sollten die Pelznasen einigermassen zivilisiert an der Leine gehen können. Das Ziehen ist bei einem einzelnen Hund noch mehr oder weniger erträglich. Bei einer Hundegruppe ist das ein «No-Go». Zumal sich durch die Unruhe an der Leine beim späteren Ableinen eine enorme Energie entladen kann. Ebenso ist es essenziell, dass die Hunde lernen, einzeln in Ruhe an der Leine zu gehen, während dem die anderen frei sind. Impulskontrolle ist bei einer Hundegruppe oberste Priorität.

Gutes Nervenkostüm unerlässlich

Mehrhundehaltung ist nichts für schwache Nerven. Schon bei einem Hund kann es Kritik geben. Bei mehreren Tieren kann man sich teils unschönen Bemerkungen sicher sein, vor allem, wenn mal ein Vierbeiner «aus dem Ruder» läuft. Denn trotz verantwortungsvoller Haltung und Training: Hunde sind keine Maschinen. Es kommt immer wieder mal vor, dass es ein Gebell oder Unruhe gibt oder dass man mal nicht alles im Griff hat. Und dann heisst es, innere Stärke, Grösse und Anstand zu wahren. Das Halten von mehreren Hunden unterliegt in den meisten Kantonen übrigens gesetzlichen Bestimmungen. Die Gesetzgebung ist von Kanton zu Kanton verschieden. Oft braucht es eine Bewilligung zum Halten mehrerer Hunde. Diese Bewilligung ist meist auch mit Anforderungen bezüglich der Ausbildungspflicht der Hundehalter verknüpft. Damit einher geht die Hundesteuer, die ab dem zweiten oder dritten Hund empfindlich ansteigen kann.

Fazit

Mehrhundehaltung ist definitiv anstrengend und eine Herausforderung. Wenn man sich bewusst ist und von ganzem Herzen Ja sagt zu mehr Arbeit, mehr Kosten und mehr Verantwortung, dann bietet sie einen noch tieferen Einblick in das faszinierende soziale Zusammenleben unserer Hunde.