Winterquartier für Igel

Wer ein Herz für Igel hat, sollte seinen Garten im Herbst fit für die stacheligen Gesellen machen. Denn Gärten bilden für die ein­heimischen Wildtiere wichtige Lebensräume. Ihr bevorzugtes Winterquartier besteht aus Laub und Heu.

Bei seinem Anblick gerät man regelmässig in Verzückung: Auf kurzen Beinen trippelt er eilig über den Rasen, reckt laut schnüffelnd seine Nase in die Höhe und verschwindet flink im Gemüsebeet. Igel sind einfach knuffige Gesellen – doch nicht nur deshalb sind sie gern gesehene Gäste im Garten: Als natürliche Feinde von Schnecken, Raupen und anderen Schädlingen sind die kleinen Wildtiere ideale Helfer in Sachen biologischer Pflanzenschutz. Viele Gartenbesitzerinnen und -besitzer machen es den Igeln allerdings alles andere als leicht:
Ein perfekt aufgeräumter Garten mit sauber geharkten Flächen und akkurat geschnittenen Sträuchern bietet den scheuen Tieren nämlich kaum einen Unterschlupf, wenn der Herbst naht.

Zwar mag Laub auf dem Rasen und Totholz in der Ecke keinen besonders hübschen Anblick bieten. Trotzdem sollte man den Garten im Herbst nicht aufräumen – vielmehr gilt, dass alles, was im Garten wächst, auch im Garten bleiben soll. Das Herbstlaub ist für Igel eine überlebensnotwendige Vorratskammer für die Zeit sowohl vor als auch nach dem Winterschlaf. Unter dem Laubteppich suchen nämlich all die Kleintiere Schutz, die auf der Futterliste des Igels stehen. Entfernt man das Laub, raubt man dem nützlichen Wildtier seine Ressourcen – die Folgen sind abgemagerte Tiere, die den Winter nicht überstehen. Das Zufüttern mit Katzenfutter ist eine Scheinlösung, denn in einer biologischen Gartenwüste gibt es keine Zukunft für Igel.

Das bevorzugte Winterquartier der Igel besteht aus Laub und Heu

Das bevorzugte Winterquartier der Igel besteht aus Laub und Heu

Hotline für hilfsbedürftige Igel

Verein Pro Igel: 079 652 90 42

Warmes Winterquartier

Igel mögen wilde Ecken mit Dickicht, Totholzhaufen und zugewachsenen Gartenrändern. Und dies nicht nur wegen fetten Würmern, knackigen Schneckeneiern oder saftigen Maden. Laubhaufen, dichtes Gestrüpp oder alte Holzstapel sind auch ideale Quartiere für die Stacheltiere, die von November bis März einen Winterschlaf halten. Im Fachhandel sind zwar Schlafhäuschen für Igel erhältlich, diese haben aber nicht selten einen Konstruktionsfehler. Sie sind zu luftdicht und werden von Igeln deshalb selten als Quartier gewählt. Sie können aber entsprechend umgestaltet werden: Bohrlöcher in den Seitenwänden sorgen für genügend Durchzug.

Mit trockenem Laub, langstieligem Heu, drei alten Brettern und vier Backsteinen lässt sich mit wenigen Handgriffen ein perfekter Unterschlupf für den kleinen Gartenhelfer bauen: Die Backsteine werden je zu zweit neben- und aufeinandergeschichtet. An diese niedrige «Mauer» stellt man nun die Bretter an und füllt den dadurch entstehenden Hohlraum mit Laub. Das langstielige Heu wird von den Igeln als Nistmaterial bevorzugt. Sie bestehen aber darauf, das Nest selbst einzurichten, weshalb man es am besten vor der Höhle liegen lässt. Zudem empfiehlt es sich, die erhöhte Seite gegen Osten zu richten – als Schutz vor dem Westwindwetter. Ansonsten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Hauptsache rustikal.

Igel sind geschützt

Findet man trotz aller Vorkehrungen einen Igel, der sich in einer Notlage befindet – also krank, verletzt oder zu leicht für den Winterschlaf ist – darf er nur vorübergehend in Gewahrsam genommen werden. Denn der Braunbrust­igel (Erinaceus europaeus) gehört in der Schweiz gemäss dem Natur- und Heimatschutzgesetz zu den geschützten Tierarten. Es ist also verboten, Igel grundlos zu berühren, einzufangen oder nach Hause zu nehmen. Bei einem Fund gilt es deshalb, so rasch als möglich mit einer qualifizierten Igelfachstelle Verbindung aufzunehmen. Diese entscheidet, ob die Pflege des Tiers beim Finder selber erfolgen kann oder ob der Igel Betreuung in einer Igelstation oder beim Tierarzt benötigt.

Literatur

Igel im Garten
von Monika Neumeier
Kosmos Verlag 2018
ISBN: 978-3-440-16131-9

Der igelfreundliche Garten
So machen Sie Ihren Garten zum Paradies (nicht nur) für Igel
von Wolf Richard Günzel
Pala Verlag 2012
ISBN: 978-3-89566-250-8