arthrose schmerzen bei hunden vermeiden

Arthroseschmerzen bei Senioren

Hunde empfinden in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich wie wir Menschen. Wichtig ist, Schmerzen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln – oder im besten Falle ihnen vorzubeugen. Denn auch beim Thema Schmerz gilt: Vorbeugen ist besser als heilen, insbesondere weil viele Ursachen für diesen Schmerz, wenn einmal vorhanden, gar nicht (mehr) heilbar sind.

Text: Dr. med. vet. Melinda Bascherawww.vettrust.ch   Titelbild: Carola Schubbel/stock.adobe.com

Bei Schmerzen im Alter steht vor allem die Arthrose im Vordergrund. Hinter dem oft benutzten und vielseits gefürchteten Begriff steht aber nicht eine Grundursache, sondern vielmehr eine Vielzahl von Faktoren und Gegebenheiten, die zur Entwicklung beigetragen oder aber deren Fortschreiten begünstigt haben. Bereits die Gene, die das Hundekind von seinen Eltern mitbekommt, haben schon einen Einfluss auf den Körperbau, die Stellung und Winkelung von Gelenken sowie die Festigkeit von Sehnen und Bändern. Ebenfalls wird die Entstehung von Arthrose beeinflusst durch die Art und Häufigkeit der Bewegung als Welpe und Junghund, die Fütterung, das Körpergewicht, die Belastung… Die Liste liesse sich noch beliebig erweitern.

Was genau ist Arthrose

Der Begriff wird vom griechischen «Arthron» (dt. Gelenk) abgeleitet und bezeichnet eine de-generative Gelenkserkrankung. Es ist eine im Verhältnis zum Alter übermässige Abnutzung eines oder mehrerer Gelenke. Daraus lässt sich schon schliessen, dass ein gewisser Abnutzungsprozess normal, ja, natürlich ist. Übersteigt dieser jedoch das gesunde Mass und führt zu einer fortlaufenden Schädigung, soll eingegriffen werden.

Im Fokus stehen also die Gelenke. Was einfach klingt, ist in Tat und Wahrheit eine hochkomplexe Struktur, die auch heute noch die eine oder andere Überraschung für die Wissenschaft bereithält. Nebst den formgebenden Knochen sind auch Knorpel, Gelenksflüssigkeit, die Gelenkskapsel, umliegende Bänder und Sehnen sowie die Muskulatur wichtig für das Funktionieren dieses Systems. Die Hauptfunktion von Gelenken ist das Ermöglichen von Bewegung. Dabei sorgt das Gelenk aber gleichzeitig auch für deren gesunde Grenze, Stabilität und Stossdämpfung gegenüber Zug- und Druckkräften. Die Arthrose beeinflusst all das negativ.

Arthrose ist nicht gleich Arthrose

Arthrose kann die verschiedensten Gelenke betreffen und damit vielseitige Krankheitsbilder erzeugen. Nicht jeder Hund reagiert gleich stark darauf. Manche zeigen schon bei milden Veränderungen deutliche Schmerzen, andere sind trotz massiver Arthrose beinahe symptomlos. Hinter dem vermeintlich einfachen Begriff verstecken sich also in Tat und Wahrheit ganz viele verschiedene Faktoren, die das Wohlbefinden und somit die Lebensqualität unseres Vierbeiners beeinflussen können.

Es liegt auf der Hand, dass es daher auch nicht DAS Wundermittel gibt, das in jedem Fall und für jeden Hund sofortige Besserung verspricht. Genauso individuell wie das Schmerzempfinden und die Entstehung muss auch die Therapie gestaltet werden. Eine Therapie aber ist auf jeden Fall notwendig, denn der Schmerz – wenn auch vielleicht zunächst noch wenig intensiv und mehr ein «Zipperlein» als eine tatsächliche Beschwerde – wird sich ohne entsprechende Massnahmen über die Zeit selbst immer mehr verstärken. Je länger nämlich eine bestimmte Stelle schmerzt, desto empfindlicher wird der Körper auf Reize aus dieser Region. Der Hund wird also Bewegungen in diesem Bereich möglichst aus dem Weg gehen, was dazu führt, dass das betroffene Gelenk noch steifer wird. Das wiederum führt zu vermehrtem Schmerz, wenn er es dann doch unweigerlich bewegen muss. Ein Teufelskreis also, der möglichst früh durchbrochen werden sollte. Denn nur dann lässt sich eine Negativspirale aufhalten, die ansonsten zu einer beträchtlichen Einschränkung der Lebensqualität führen kann.

«Schmerzen beim älteren Hund
rechtzeitig zu erkennen und
erfolgreich zu behandeln, ist das A und O
für eine gute Lebensqualität im Alter»

Mögliche Massnahmen bei Senioren

Es kann natürlich auch nicht das Ziel sein, den Vierbeiner beim ersten Anzeichen eines steiferen Gangs mit Schmerzmitteln statt mit Leckerli zu füttern. Auch hier gilt die Devise «so wenig wie möglich, so viel wie nötig». Eine auf die Bedürfnisse des Seniors angepasste Fütterung zur optimalen Versorgung der Gelenke unter Rücksichtnahme der veränderten Stoffwechsellage, die Förderung gesunder regelmässiger Bewegung, die Anpassung des Lebensumfelds – zum Beispiel rutschfeste Unterlagen, niedrige Bettchen, eine Rampe zum Ein- und Ausstieg ins oder aus dem Auto – sind viele kleine Dinge, die in der Summe einen grossen positiven Effekt aufweisen können. In Kombination mit manuellen Therapien wie Physiotherapie, Chiropraktik, Akupunktur, Blutegel, Dry Needling, der therapeutischen Anwendung von Verbänden und Manschetten, Stosswellentherapie oder Osteopathie können beginnende Schmerzen häufig über lange Zeiträume gut kontrolliert werden.

Schmerzbehandlung

Dennoch wird irgendwann der Punkt kommen, an dem auch Schmerzmittel eine zentrale Rolle in der Sicherung der Lebensqualität unserer Hunde spielen. Auch da ist in den letzten Jahren viel passiert und uns stehen inzwischen eine Vielzahl an Möglichkeiten und Präparaten zur Verfügung. Von den «klassischen» Schmerzmitteln in flüssiger oder Pillenform über CBD-Tropfen zur täglichen Einnahme bis hin zu einmal im Monat verabreichten Spritzen, die ganz gezielt Arthrose-Schmerzen blockieren. So kann für jeden Hund die optimale Lösung gefunden werden.

Die Zeiten, in denen der Tierarzt einfach Leinenzwang und Pillen verordnet hat, sind glücklicherweise genauso hinter uns wie die Ära der «Tiere können keine Schmerzen empfinden»-Mentalität. Inzwischen gibt es auch in der Tierwelt Spezialisten für die Behandlung und Therapie von chronischen wie akuten Schmerzen jedweder Art. Weil der Schmerz eben nicht zwingend zum Alter dazu gehören muss – und es auch nicht soll.